
Willkommen zu ein paar Minuten, in denen es um eine schwere Frage geht: Was bedeutet Frieden, wenn ein Land angegriffen wird?
„Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“
Psalm 34,15
„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, erleben Millionen Menschen, was das Wort Krieg tatsächlich bedeutet: Tote und Verwundete, zerstörte Häuser, Flucht, Angst, Familien, die auseinandergerissen werden. Krieg ist keine abstrakte Auseinandersetzung auf einer Landkarte. Krieg trifft Menschen.
Darum darf die Verantwortung für diesen Krieg nicht verwischt werden. Russland hat seinen Nachbarn angegriffen. Wer Frieden will, muss deshalb auch benennen können, wer den Frieden gebrochen hat.
Die Bibel ruft eindringlich dazu auf, Frieden zu suchen. Jesus nennt diejenigen selig, die Frieden stiften. Doch Frieden ist mehr als das Ende von Schüssen. Wenn der Angegriffene sich einfach ergeben muss und der Angreifer dadurch bekommt, was er mit Gewalt erzwingen wollte, ist zwar vielleicht das Schlachtfeld stiller geworden – aber Unrecht wird dadurch nicht zu Frieden.
Jesus stellt die Liebe zum anderen in den Mittelpunkt. Er sagt:
„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“
Johannes 15,13
Dieser Satz Jesu ist kein Aufruf zum Krieg. Jesus spricht von einer Liebe, die nicht zuerst nach der eigenen Sicherheit fragt. Genau deshalb kann christliche Nächstenliebe auch bedeuten, einem Angegriffenen nicht allein zu lassen.
Es gibt unter Christen unterschiedliche Überzeugungen darüber, ob und wann militärische Gewalt verantwortbar ist. Diese Gewissensfragen verdienen Respekt. Aber Nächstenliebe kann nicht bedeuten, Angreifer und Angegriffenen unterschiedslos zu behandeln. Wer einen Menschen vor Gewalt schützt, handelt nicht automatisch gegen den Frieden. Schutz kann notwendig sein, damit Gewalt nicht triumphiert.

Für die Ukraine bedeutet das: Humanitäre Hilfe ist notwendig. Aufnahme und Unterstützung von Geflüchteten sind notwendig. Diplomatische Bemühungen sind notwendig. Und aus christlicher Verantwortung lässt sich auch begründen, dass ein angegriffenes Land bei seiner Verteidigung unterstützt wird. Dabei bleibt jede Waffe eine bedrückende Realität. Krieg darf niemals romantisiert werden.
Das Ziel muss Frieden sein – ein Frieden, der Menschen schützt und nicht die Gewalt belohnt. Verhandlungen können dafür entscheidend werden. Aber ein gerechter Frieden kann nicht einfach bedeuten, dass der Stärkere bestimmt, was der Schwächere abzugeben hat.

Jesus Christus führt uns nicht in die Gleichgültigkeit. Er stellt uns an die Seite der Leidenden und ruft uns dazu auf, Frieden zu schaffen. Darum beten wir für die Menschen in der Ukraine, für alle Opfer dieses Krieges, für diejenigen, die ihre Heimat verteidigen, und auch dafür, dass Menschen in Russland den Mut finden, Unrecht nicht mitzutragen. Wir beten für Verantwortliche auf allen Seiten, damit endlich Wege zu einem gerechten Frieden möglich werden.
Jesus Christus, du siehst die Menschen, die unter diesem Krieg leiden. Du kennst die Namen der Getöteten, die Tränen der Familien und die Angst derer, die nicht wissen, was morgen sein wird.
Gib den Menschen in der Ukraine Kraft. Schütze die Bedrohten. Stärke diejenigen, die Verwundete versorgen, Menschen retten, Flüchtende aufnehmen und ihre Mitmenschen nicht im Stich lassen.
Gib uns den Mut, Unrecht Unrecht zu nennen. Bewahre uns davor, uns an Bilder von Zerstörung und Tod zu gewöhnen. Zeige uns, wo unsere Hilfe gebraucht wird.
Schenke den Verantwortlichen Weisheit und den ernsthaften Willen zum Frieden. Lass Waffen schweigen, ohne dass Gewalt dafür belohnt wird. Öffne Wege zu einem Frieden, in dem Menschen sicher und frei leben können.
Und wo Hass wächst, bewahre unsere Herzen. Lass uns nicht die Menschen hassen, sondern das Unrecht zurückweisen. Mach uns zu Menschen, die schützen, helfen, tragen und Frieden suchen.
Jesus, wir vertrauen dir die Ukraine und alle Menschen an, die unter diesem Krieg leiden. Führe aus Gewalt heraus und öffne Wege zu Recht, Versöhnung und Frieden.
Amen.
