787 – Vergessene Heldinnen der ersten Stunde

787 – Vergessene Heldinnen der ersten Stunde

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,

manchmal sind es die Abschnitte in der Bibel, die wir eher überfliegen, die uns plötzlich wie ein Scheinwerfer erscheinen – sie beleuchten Menschen, die sonst im Schatten stehen. Der Schluss des Römerbriefs ist so ein Abschnitt. Ein Kapitel voller Namen, voller Grüße. Und mittendrin? Eine ganze Reihe von Frauen, die mitten in der ersten Gemeinde aktiv, stark und glaubensvoll waren. Sie waren keine Randfiguren, sondern tragende Säulen der jungen Kirche.

Paulus schreibt den Römerbrief, Sora, prompted by Michael Voß
Paulus schreibt den Römerbrief, Sora, prompted by Michael Voß

Paulus nennt sie nicht nur nebenbei. Er stellt sie bewusst vor. Er würdigt sie. Und wir? Wir dürfen das nicht überlesen.

„Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die im Dienst der Gemeinde von Kenchreä steht.“
Römer 16,1

Phöbe – eine Frau mit Verantwortung. Sie war Diakonin, also jemand, der offiziell der Gemeinde diente. Und sie war wohl auch die Überbringerin des Briefes an die Römer. Paulus nennt sie eine „Helferin vieler“. Manche Ausleger sagen sogar: Ohne sie gäbe es den Römerbrief gar nicht, zumindest hätte er nicht Rom erreicht.

„Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus. Sie haben für mein Leben ihren Hals hingehalten; nicht allein ich danke ihnen, sondern alle Gemeinden unter den Heiden.“
Römer 16,3-4

Auch wenn Aquila mitgenannt wird: Priska (oder Priszilla) steht oft sogar vor ihrem Mann. Das war in der damaligen Kultur ungewöhnlich. Warum? Wahrscheinlich, weil sie besonders aktiv, klug und engagiert war. Sie hatten eine Gemeinde bei sich zu Hause – echte Gastgeber für den Glauben.

„Grüßt Maria, die viel für euch gearbeitet hat.“
Römer 16,6

Engagiert für Gott, Sora, prompted by ChatGPT
Engagiert für Gott, Sora, prompted by ChatGPT

Ein kurzer Gruß – aber was für ein Satz! „Die viel gearbeitet hat.“ Nicht gelobt für Worte oder Status. Sondern für Einsatz. Für Ausdauer. Für Hingabe. Maria war keine Theologin mit Titel, sondern eine Frau, die „malochte“, geistlich gesprochen.

„Grüßt Tryphäna und Tryphosa, die im Dienst des Herrn arbeiten. Grüßt die liebe Persis, die viel gearbeitet hat im Herrn.“
Römer 16,12

Die Namen klingen heute exotisch, fast märchenhaft – aber die Frauen dahinter waren real. Drei Frauen, deren Dienst ausdrücklich genannt wird. Tryphäna, Tryphosa, Persis – man hört fast die Erschöpfung, aber auch die Treue aus diesen Namen sprechen. Diese Frauen schufteten nicht für Ruhm, sondern für den Herrn.

Und dann kommt eine Überraschung:

„Grüßt Andronikus und Junia, meine Verwandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den Aposteln und schon vor mir in Christus gewesen sind.“
Römer 16,7

Junia in Hausgemeinde, Sora, prompted by ChatGPT
Junia in Hausgemeinde, Sora, prompted by ChatGPT

Lange wurde diskutiert, ob „Junia“ wirklich eine Frau war – viele Bibelausgaben machten daraus einfach „Junias“, einen Mann. Aber die historische Forschung ist sich heute weitgehend einig: Junia war eine Frau. Und nicht nur das – Paulus nennt sie eine „berühmte Apostelin“. Ja, Apostelin. Noch Fragen, ob Frauen in der ersten Gemeinde nur Kaffee gekocht haben?

All diese Namen und Hinweise zeigen: Frauen trugen das Evangelium mit. Sie organisierten, dienten, lehrten, beteten, hielten Gemeinden zusammen, riskierten ihr Leben. Vielleicht taugen sie nicht für Schlagzeilen – aber sie sind ein Grund, warum es uns heute überhaupt möglich ist, über Kirche und Glaube nachzudenken.

Fröhliche Essensausgabe in der Kirche, Sora, prompted by ChatGPT
Fröhliche Essensausgabe in der Kirche, Sora, prompted by ChatGPT

Was bedeutet das für heute? Es bedeutet, dass keine Frau sich sagen lassen muss, sie sei im Reich Gottes nur „Ergänzung“. Und kein Mann sollte so töricht sein, Frauen kleinzureden. Die Bibel tut es auch nicht. Im Gegenteil. Der Römerbrief endet mit einem lauten Dank an Frauen, die mit ihrem Glauben Geschichte geschrieben haben.

Vielleicht kennst du selbst so eine Frau. Eine Junia. Eine Maria. Eine Persis. Dann sag ihr das. Heute noch.


Herr,

danke für alle Frauen, die du in deinem Namen sendest.

Für die, die sichtbar wirken – und für die, die im Verborgenen treu dienen.

Mach uns wach für ihre Kraft, ihre Stimmen und ihre Geschichten.

Und gib uns Mut, sie zu unterstützen – nicht zu übersehen.

Gib den Frauen, die heute zweifeln, neuen Mut.

Stärke alle, die Verantwortung tragen – in Gemeinden, Familien und mitten im Job.

Heile die, die verletzt wurden – durch Worte, durch Macht, durch Schweigen.

Und segne diesen Tag mit echter Begegnung, mit ehrlichen Worten und kleinen Zeichen deiner Nähe.

Wir danken dir für dein Vertrauen in uns – heute und jeden Tag.

Amen!


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