Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,
was bleibt von uns, wenn alles Äußere vergeht? Wenn die Fassade bröckelt, die Rolle zerfällt, der Erfolg nicht mehr trägt? Der Apostel Paulus beantwortet diese Frage mit einer ungeheuren Zuversicht: Es bleibt mehr, als wir ahnen. Etwas Neues, etwas Ewiges – ein neues Leben, ein neues Sein. Genau darum geht es in 2. Korinther 5. Es ist ein Kapitel voller Hoffnung – aber auch voller Herausforderung.
Paulus beginnt mit einem Bild, das uns allen vertraut ist – dem Wohnen:
„Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“
2. Korinther 5,1
Das Leben, das wir kennen, ist vergänglich. Unser Körper, unser Alltag – alles ist wie eine Hütte. Irgendwann fällt sie zusammen. Aber Paulus sagt: Das ist nicht das Ende. Für die, die zu Gott gehören, wartet ein neues Zuhause – ewig, von Gott selbst errichtet. Kein Provisorium mehr, sondern ein Zuhause für immer. Was für ein Trost für Menschen, die Krankheit oder Alter erleben. Und zugleich: Was für ein Weckruf, nicht an der Hütte festzuklammern, sondern sich auf das Haus vorzubereiten.

Aber wie geht das? Wie lebt man in der Gegenwart mit Blick auf das Ewige? Paulus schreibt weiter:
„Darum, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Ein radikaler Gedanke: In Christus zu leben bedeutet nicht nur, ein bisschen besser zu werden. Es bedeutet, neu zu sein. Komplett. Das Alte – die Schuld, die Scham, die Selbstverurteilung – ist nicht mehr das, was dich bestimmt. Du darfst dich neu sehen: als gewollt, geliebt, befreit. Wer zu Jesus gehört, hat keine alte Identität mehr, die irgendwie christlich aufgepeppt wurde. Sondern er oder sie ist ein neuer Mensch – mit neuer Hoffnung, neuer Berufung und einem neuen Ziel.
Und doch ist dieser neue Mensch nicht für sich selbst neu geworden. Er hat eine Aufgabe:
„So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns. So bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“2. Korinther 5,20
Paulus sieht sich – und damit auch uns – als Botschafter. Nicht für ein Königreich dieser Welt, sondern für das Reich Gottes. Versöhnung ist die Botschaft. Das klingt so harmlos – dabei ist es revolutionär. Denn Versöhnung bedeutet: Die Trennung ist überwunden. Zwischen Gott und Mensch. Zwischen Schuld und Freiheit. Zwischen gestern und morgen.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich vor einiger Zeit gelesen habe. Es ging um eine Frau namens Ute, die jahrzehntelang mit ihrem Vater zerstritten war. Es hatte mit einem Erbstreit begonnen, dann kamen harte Worte, Funkstille, Verbitterung. Als der Vater schwer erkrankte, entschied sie sich, ihn zu besuchen – nicht, weil sie musste, sondern weil sie wusste: Jetzt oder nie. Als sie in das Krankenzimmer trat, nahm er einfach ihre Hand. Keine langen Reden. Nur Tränen. Am Tag darauf starb er. Und Ute sagte später: „Ich weiß nicht, ob alles gut war. Aber es war versöhnt.“
Gott streckt uns die Hand hin. Und lädt uns ein, nicht nur selbst versöhnt zu leben – sondern diese Hand auch weiterzugeben. An andere. An Menschen, mit denen wir gebrochen sind. An Menschen, die sich selbst aufgegeben haben. An Menschen, die nie gehört haben, dass Gott sie liebt.

Und all das beginnt mit einem einfachen, tiefen Satz: „Lasst euch versöhnen mit Gott.“
Heute.
Jesus Christus,
du machst alles neu.
Du gibst mir ein Zuhause, wenn alles andere vergeht.
Du machst mich neu, wenn ich mich verloren fühle.
Und du schickst mich, damit ich anderen deine Versöhnung bringe.
Hilf mir, diese Aufgabe heute ernst zu nehmen.
Und mutig zu leben – als neue Kreatur.
Amen!
