
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörer und Hörer,
am 3. Januar 1521 wurde Martin Luther durch Papst Leo X. exkommuniziert. Mit der Bulle Decet Romanum Pontificem war der Bruch offiziell. Luther, der einst als Mönch und Theologieprofessor fest zur Kirche gehörte, galt fortan als Ketzer. Und doch ist dieser Tag nicht nur ein schwarzer Tag der Kirchengeschichte – sondern auch ein Wendepunkt. Ein Tag, der bis heute eine Frage in sich trägt: Wem gehören wir wirklich, wenn menschliche Strukturen uns ausschließen?
Martin Luther hatte sich gegen den Ablasshandel ausgesprochen, die Bibel ins Deutsche übersetzt, theologische Missstände kritisiert – aber immer mit dem Anspruch, die Kirche zurück zu ihrem Zentrum zu führen: zum Evangelium. Der Bannbrief war die Antwort der Institution, die sich damit nicht in Frage stellen lassen wollte.

Luthers Reaktion? Kein Widerruf. Sondern ein fester Stand: „Ich kann nicht anders.“ Es folgte der Reichstag zu Worms, wo er erneut seine Überzeugung bezeugte. Und gleichzeitig begann eine Bewegung, die das Denken, den Glauben und das Leben von Millionen bis heute geprägt hat. Doch was bedeutet das geistlich – auch für uns heute?
Es ist tröstlich und zugleich herausfordernd, dass die Bibel uns immer wieder zeigt: Gottes Treue hängt nicht an menschlicher Anerkennung.
Jesus selbst sagt:
„Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen; ja, es kommt die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.“
Johannes 16,2

Manchmal ist es gerade der feste Glaube, der aneckt. Wer dem Gewissen folgt, wer an der Wahrheit des Evangeliums festhält, wird nicht immer Applaus bekommen. Auch Luther hat das erlebt – und doch wusste er sich gehalten.
Paulus schrieb an die Galater:
„Denn suche ich nun Menschen zu gefallen oder Gott? Oder will ich den Menschen gefallen? Wenn ich den Menschen noch gefiele, wäre ich Christi Knecht nicht.“
Galater 1,10
Diese klare Frage trifft bis heute mitten ins Herz: Lebst du für Anerkennung – oder für die Wahrheit? Für die Mehrheit – oder für den Einen, der dich bei deinem Namen ruft?
Luther wusste sich nicht „ausgeschlossen“ – sondern vielmehr „gerufen“. Nicht von der Kirche, sondern von Gott selbst. Und dieser Ruf war stärker als jeder Bann.
Interessanterweise bedeutet Exkommunikation „Herausnahme aus der Gemeinschaft“. Doch woraus eigentlich? Wer über den Tellerrand der damaligen Kirche hinausblickt, sieht: Gott hat Gemeinschaft nicht an Institutionen gebunden. Die Kirche ist kein Club, in dem man sich eintragen lässt, sondern ein Leib, dessen Haupt Christus ist.
Paulus formuliert es so:
„Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“
1. Korinther 12,13
Es geht also nicht um Zugehörigkeit zu einer Konfession, sondern um Verbindung mit Christus selbst. Diese Verbindung ist nicht kündbar. Auch nicht durch eine päpstliche Bulle. Auch nicht durch ein Urteil anderer. Sondern allein durch Glauben und Vertrauen.
Martin Luther hat im Laufe seines Lebens gelernt, dass Gottes Gnade größer ist als jeder Ausschluss. Dass man sich irren kann – auch als Kirche. Und dass Mut zum Gewissen oft den Weg zu echter Freiheit bahnt. Gerade deshalb lohnt es sich, diesen Tag nicht nur als Datum eines Bruchs zu sehen, sondern als Einladung: Steh für das, was du glaubst. Auch wenn es kostet. Auch wenn es einsam macht. Denn du bist nie allein.
Und noch etwas: Die Geschichte endet nicht mit Spaltung. Heute, über 500 Jahre später, suchen katholische und evangelische Christen wieder die Nähe. Gespräche, Annäherungen, gemeinsame Erklärungen zeigen: Gott hat Geduld mit seiner Kirche. Er führt zusammen, was getrennt war. Und ruft uns zur Versöhnung.

Auch du bist eingeladen, dich nicht entmutigen zu lassen, wenn dir Unverständnis entgegenschlägt. Wenn du aneckst. Wenn du nicht dazugehören zu scheinst. Denn der, der uns wirklich ruft, hat es selbst erlebt – Ablehnung, Spott, Kreuz. Und doch hat er gesiegt.
Herr Jesus Christus,
du wurdest verworfen, damit wir angenommen sind.
Du bist unser Halt, wenn andere uns loslassen.
Hilf uns, klar und liebevoll für dich zu stehen.
Gib uns Mut zum Gewissen, Kraft zur Wahrheit und ein Herz für Versöhnung.
Du allein bist der Herr deiner Kirche.
Wir vertrauen dir.
Amen!
