865 – Ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung

865 – Ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung

Gemeinsames Gebet von ganz unterschiedlichen Menschen, Sora, prompted by ChatGPT
Gemeinsames Gebet von ganz unterschiedlichen Menschen, Sora, prompted by ChatGPT

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörer und Hörerinnen,

am heutigen 25. Januar endet die weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen. Jahr für Jahr kommen Menschen in Kirchen verschiedener Traditionen zusammen, um gemeinsam zu beten – für das, was Jesus selbst im Gebet aussprach: dass wir eins seien. Einheit unter Christen – das klingt schön, aber ist in der Realität oft eine Herausforderung. Spaltungen, Unterschiede in Lehre und Praxis, historische Verletzungen – das alles steht zwischen uns. Und trotzdem ruft uns die Bibel zu etwas Höherem: zu einer Hoffnung, zu der wir berufen sind.

Geistliche unterschiedlicher christlicher Religionen, Sora, prompted by ChatGPT
Geistliche unterschiedlicher christlicher Religionen, Sora, prompted by ChatGPT

Das Motto der diesjährigen Gebetswoche ist ein Satz aus dem Epheserbrief. Es ist kein Kompromissversuch, kein Appell zur Gleichmacherei, sondern ein geistlicher Blick auf das, was uns als Glaubende verbindet:

„Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung.“
Epheser 4,4

Ein Leib – das Bild ist stark. Es meint die Gemeinde Jesu in ihrer Gesamtheit, mit vielen Gliedern, die verschieden sind und trotzdem zusammengehören. Und wie das beim Körper so ist: Man vermisst erst etwas, wenn es fehlt. So ist es auch mit den Teilen der weltweiten Kirche. Der Leib ist nicht gesund, solange er gespalten ist.

Ein Geist – der Heilige Geist, der in uns wirkt. Unabhängig von Konfession, Frömmigkeitsstil oder Liturgieform. Der Geist, der tröstet, aufrüttelt, heilt und verbindet. Wenn wir ehrlich sind, dann haben viele von uns schon erlebt, wie Gott auch dort wirkt, wo wir es vielleicht nicht erwartet hätten. In der Stille eines Klosters, im Lobpreis einer freien Gemeinde, in einer katholischen Messe, im Austausch mit orthodoxen Geschwistern. Der Geist weht, wo er will.

Und schließlich: eine Hoffnung. Nicht viele kleine Hoffnungen, jede für sich. Sondern eine große, gemeinsame. Die Hoffnung auf das Reich Gottes. Auf Heilung. Auf Frieden. Auf Gerechtigkeit. Diese Hoffnung verbindet uns. Oder sie sollte es zumindest.

Im Diaglog, Sora, prompted by ChatGPT
Im Diaglog, Sora, prompted by ChatGPT

Paulus, der Verfasser des Epheserbriefs, schreibt diese Worte nicht aus einer Komfortzone heraus, sondern als jemand, der weiß, wie schnell auch Christen gegeneinander stehen können. Und deshalb mahnt er in den Versen davor:

„So ermahne ich euch nun, […] wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen seid,
in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe
und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“
Epheser 4,1–3

Was für eine klare Anleitung! Demut, Sanftmut, Geduld, Liebe – das klingt ein bisschen wie eine alte Tugendliste. Aber es ist eigentlich ein radikaler Gegenentwurf zum schnellen Urteil, zum theologischen Stolz und zum kirchlichen Wettbewerb, den wir manchmal beobachten. Paulus sagt: Ihr habt eine gemeinsame Berufung – dann lebt auch so!

Einheit bedeutet nicht, alles gleichzumachen. Sondern den anderen in seiner Verschiedenheit als Teil des Leibes Christi zu sehen. Einheit bedeutet, das Verbindende über das Trennende zu stellen. Und ja, manchmal bedeutet es auch: eigene Eitelkeit runterzuschlucken, um gemeinsam größer zu sein als allein.

Ich habe einmal von einer ökumenischen Aktion in einer kleinen Stadt gelesen: Drei Gemeinden – katholisch, evangelisch, freikirchlich – veranstalteten gemeinsam eine „Nacht der Hoffnung“. Statt theologischer Diskussionen gab es Gespräche, Gebet, Musik, gemeinsames Essen. Am Ende sagte eine Besucherin: „Ich hab das Gefühl, heute war Jesus mitten unter uns.“ Es gab kein Kirchenlogo auf dem Plakat, keine Abgrenzung – nur das gemeinsame Anliegen: Hoffnung wecken. Genau das ist gemeint. So sieht Einheit im Alltag aus.

Zusammenhalt, Sora, prompted by ChatGPT
Zusammenhalt, Sora, prompted by ChatGPT

Vielleicht ist heute ein guter Tag, um mal mit anderen Augen auf andere Christinnen und Christen zu blicken. Nicht mit dem Gedanken „Was machen die falsch?“, sondern mit der Frage: „Was können wir gemeinsam tun, damit Hoffnung wächst?“

Jesus hat nicht gebetet, dass wir immer einer Meinung sind. Aber er hat gebetet, dass wir eins sind. In ihm. Im Geist. In der Hoffnung.

Gott, unser Vater,

du hast uns nicht als Einzelkämpfer geschaffen, sondern als Gemeinschaft.

Hilf uns, einander zu sehen – nicht durch die Brille der Trennung, sondern durch deine Augen.

Lehre uns Geduld, Demut und Liebe,

damit wir gemeinsam deine Hoffnung in die Welt tragen.

Mach uns zu Menschen, die verbinden statt zu spalten.

Schenke uns deinen Geist,

damit wir als ein Leib in deiner Liebe leben.

Amen!

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