
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Suchende, liebe Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, ich grüße euch herzlich zu dieser Andacht für den 27. Januar 2026.
Unser Bibeltext heute stammt aus dem Jakobusbrief, Kapitel 1. Er richtet den Blick auf den Glauben, der sich nicht in frommen Worten erschöpft, sondern im Alltag sichtbar wird.
„Meine Brüder und Schwestern, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt,
da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Geduld wirkt.»
Jakobus 1,2-3 LUT

Jakobus beginnt dieses Kapitel mit einer überraschenden Einladung: Schwierigkeiten und Prüfungen nicht nur auszuhalten, sondern sie als Anlass zur Freude zu sehen. Das klingt zunächst widersprüchlich, vielleicht sogar unangemessen, weil unser Herz Unsicherheit und Schmerz nicht einfach ignorieren will.
„Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen gerne und ohne Vorwurf gibt, und sie wird ihm gegeben werden.»
Jakobus 1,5 LUT
Und dann die Einladung zur Bitte um Weisheit. Nicht um schnelle Antworten zu bekommen, sondern um eine Haltung, die uns befähigt, die Herausforderungen des Lebens mit klarer Einschätzung und gutem Urteilsvermögen zu begegnen.
Jakobus fordert uns heraus: Wie sieht unsere Praxis des Glaubens aus, wenn es im Leben schwierig wird? Erkenntnis, Wahrheit, tägliche Entscheidung – diese Dinge können wir nicht nur mit Worten erklären, sondern wir leben sie in unserem Alltag.

Ein Mann, den ich vor einigen Jahren kennengelernt habe, verlor seinen Arbeitsplatz und stand vor dem finanziellen Abgrund. Statt in Verzweiflung zu versinken, suchte er aktiv nach Möglichkeiten, neu zu beginnen, bildete sich weiter und unterstützte zeitgleich andere Menschen in ähnlicher Lage durch praktische Hilfe. Seine Hoffnung war nicht oberflächlich, sondern fest verwurzelt im Vertrauen auf einen Weg, der sich Schritt für Schritt zeigte. Sein Glaube zeigte sich nicht in aussagelosen Floskeln, sondern in klarer Entscheidung und praktischer Tat.
Jakobus fordert eine Glaubenspraxis, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht. Er spricht davon, dass Glaube, der keine Taten hervorgebracht, tot ist (vgl. Jakobus 2,17). Dieser Glaube ist kein abstraktes Konzept, sondern eine Lebensweise, die Vertrauen, Handlung und Beziehung vereint.
In unserem eigenen Leben stellen sich immer wieder Fragen: Wie reagiere ich, wenn mein Plan nicht aufgeht? Wie begegne ich dem anderen, dem ich mit echter Anteilnahme begegnen soll? Jakobus erinnert uns daran, dass Glaube auch in der Geduld wächst, in der Beständigkeit, in der Bereitschaft, täglich zu entscheiden: Ich möchte so leben, wie ich es für gut halte – inmitten von Herausforderungen.
Wenn wir uns auf diesen Weg einlassen, lernen wir, in den Prüfungen nicht nur Schwierigkeiten zu sehen, sondern Gelegenheiten, innerlich zu wachsen. Wir beginnen zu verstehen, dass das Leben nicht einfach glatt verlaufen muss, damit unser Glaube echt ist. Vielmehr entsteht Glaube dort, wo wir uns bewähren, wo wir uns einlassen, wo wir handeln – auch wenn es unbequem ist.

Diese Art von Glauben verändert nicht nur uns selbst. Sie berührt andere, sie wird wahrgenommen und kann Mut machen. In kleinen Dingen, in konkreten Taten, in echter Zuwendung zeigt sich, was wir glauben. Jakobus ruft uns zu: Zweifel nicht an dem, was möglich ist, sondern handle mit dem Vertrauen, dass jede gute Tat zählt.
So wollen wir unsere Schritte bewusst setzen, im Vertrauen, dass unser Glaube wächst, wenn wir uns ihm stellen – nicht nur in guten Zeiten, sondern gerade dann, wenn es herausfordernd wird.
Möge dieser Text euch ermutigen, euren Glauben im Alltag sichtbar werden zu lassen.
Gott des Lebens, begleite uns auf allen Wegen.
Gib uns Weisheit, die Entscheidungen trägt.
Lehre uns Geduld in Zeiten der Prüfung.
Hilf uns, Vertrauen in Tat umzusetzen.
Stärke uns im Handeln füreinander.
Segne unseren Weg in deinem Namen.
Amen!
