884 – Wenn die Glocken von Dresden läuten

884 – Wenn die Glocken von Dresden läuten

Impressionen vom Dresdner Elbufer, Sora, prompted by ChatGPT
Impressionen vom Dresdner Elbufer, Sora, prompted by ChatGPT

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer – ganz gleich, ob Sie mit Kirche viel oder wenig anfangen können. Vielleicht haben Sie schon einmal am 13. Februar in Dresden gestanden. Vielleicht kennen Sie diesen Moment um 21:45 Uhr, wenn die Glocken der Stadt gleichzeitig erklingen. Kein lauter Jubel. Kein Spektakel. Nur ein Klang, der durch die Straßen zieht und erinnert.

Am 13. Februar 1945 begann die Bombardierung Dresdens. Innerhalb weniger Stunden wurde die Stadt zu einem Flammenmeer. Zehntausende Menschen verloren ihr Leben. Historiker gehen heute von bis zu 25.000 Toten aus. Die barocke Schönheit der Stadt wurde zu Asche. Und doch läuten jedes Jahr die Glocken. Nicht um die Vergangenheit festzuhalten, sondern um sie nicht zu vergessen.

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Jesus spricht diese Worte in eine Welt, die Gewalt kannte. Das Römische Reich war kein Ort sanfter Töne. Und doch nennt er Menschen glücklich, die Frieden stiften. Nicht die Lauten. Nicht die Sieger. Sondern die, die Versöhnung suchen.

Jeden 13. Februar läuten abends die Glocken in Dresden, Sora, prompted by ChatGPT
Jeden 13. Februar läuten abends die Glocken in Dresden, Sora, prompted by ChatGPT

Wenn in Dresden die Glocken läuten, ist das mehr als Tradition. Es ist ein Bekenntnis: Krieg darf nicht das letzte Wort haben. Hass darf nicht die Zukunft bestimmen. Erinnerung soll uns wachhalten – nicht verhärten.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Römer 12,21

Das klingt fast unmöglich, wenn man auf die Geschichte schaut. Wie soll man das Böse mit Gutem überwinden, wenn Häuser brennen, wenn Familien auseinandergerissen werden, wenn Schuld unaussprechlich groß ist? Und doch ist genau das der Weg, den Christus gegangen ist. Er hat Gewalt nicht mit Gegengewalt beantwortet. Er hat sich nicht rächen lassen. Er hat gelitten – und vergeben.

Frauenkirche in Dresden, Sora, prompted by ChatGPT
Frauenkirche in Dresden, Sora, prompted by ChatGPT

Die Frauenkirche Dresden, 1945 eingestürzt, blieb jahrzehntelang eine Ruine. Ein Mahnmal aus Steinen. Nach der Wiedervereinigung wurde sie wieder aufgebaut – auch mit Spenden aus Großbritannien. Aus dem Land also, dessen Bomber einst die Stadt zerstörten. Versöhnung wurde sichtbar in Sandstein. Das ist keine romantische Geschichte. Das ist konkrete, mühsame Friedensarbeit.

„Suchet Frieden und jaget ihm nach!“
Psalm 34,15

Nachjagen – das ist ein starkes Wort. Frieden fällt nicht vom Himmel. Er braucht Menschen, die ihn wollen. Die bereit sind, alte Gräben nicht weiter zu vertiefen. Die sagen: Ich höre auf, den anderen nur als Gegner zu sehen.

Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben solche inneren Trümmerfelder. Alte Verletzungen. Harte Worte, die nicht zurückgenommen wurden. Schweigen, das schwer wiegt. Die Glocken von Dresden erinnern uns daran: Wir dürfen innehalten. Wir dürfen trauern. Aber wir müssen nicht im Hass bleiben.

Christlicher Glaube ist kein Vergessen. Er ist Hoffnung trotz Erinnerung. Gott kennt die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Und er bleibt nicht fern. In Jesus ist er selbst in Gewalt und Tod hineingegangen. Nicht um zu verurteilen, sondern um neues Leben zu schenken.

Wenn heute Abend irgendwo Glocken läuten – oder wenn es in Ihrem Herzen still wird – dann hören Sie vielleicht mehr als nur Metallklang. Vielleicht ist es eine Einladung. Eine Einladung, Frieden zu suchen. In Ihrer Familie. In Ihrer Nachbarschaft. In Ihren Gedanken.

Kerzen, die erinnern, Sora, prompted by ChatGPT
Kerzen, die erinnern, Sora, prompted by ChatGPT

Wir können die Geschichte nicht ändern. Aber wir können entscheiden, wie wir heute handeln. Jeder Schritt der Versöhnung ist ein kleines Gegenwort gegen das Dunkel.

Herr Jesus Christus,

du kennst die Wunden der Geschichte.

Du siehst die Verletzungen in unserer Welt und in unseren Herzen.

Schenke uns Mut zum Frieden.

Bewahre uns davor, Hass weiterzugeben.

Lass uns Menschen sein, die versöhnen.

Amen!

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