
Hallo – ganz gleich, welche Sprache du sprichst, welchen Dialekt du liebst oder ob dir heute vielleicht die Worte fehlen.
Am 21. Februar ist Internationaler Tag der Muttersprache. Ein Tag, der daran erinnert, wie kostbar Sprache ist. Sie ist mehr als Grammatik und Wortschatz. Sie ist Heimat. In deiner Muttersprache hast du zum ersten Mal „Mama“ oder „Papa“ gesagt. In ihr hast du gestritten, gelacht, getröstet, gehofft. Sprache trägt deine Geschichte.
Aber was ist mit Gott? Versteht er nur wohlformulierte Gebete? Nur kirchliche Sätze? Oder auch dein Stammeln, deine Wut, deine Unsicherheit – dein Schweigen?
Die Bibel erzählt von einem besonderen Moment. Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen sind in Jerusalem versammelt. Unterschiedliche Kulturen. Und dann geschieht etwas Erstaunliches:
„Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“
Apostelgeschichte 2,3-4
Wenig später heißt es:
„Wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.“
Apostelgeschichte 2,11

Dieses Ereignis nennen Christen Pfingsten. Aber es ist kein Spektakel zur Selbstdarstellung. Es ist ein Zeichen: Gott überwindet Sprachbarrieren. Jeder hört die Botschaft in seiner eigenen Muttersprache. Niemand muss erst eine heilige Fremdsprache lernen, um Gott zu verstehen.
Für uns in Deutschland bekommt dieser Gedanke eine besondere historische Tiefe. Als Martin Luther im Jahr 1522 das Neue Testament und später die ganze Bibel ins Deutsche übersetzte, war das mehr als eine sprachliche Leistung. Er wollte, dass Menschen Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache hören und lesen können. Nicht nur Gelehrte in Latein – sondern Bauern, Handwerker, Familien. Die Bibel wurde verständlich. Sie bekam Klang im Alltag.

Luthers Übersetzung hat die deutsche Sprache geprägt – und zugleich deutlich gemacht: Gott spricht die Sprache der Menschen. Er bleibt nicht auf Distanz. Er kommt nah.
Das ist befreiend. Du musst nicht anders reden, um von Gott gehört zu werden. Du darfst kommen, wie du bist – mit deinem Wortschatz, deinem Tonfall, deinen Fragen.
Vielleicht kennst du das: Manchmal fehlen die Worte. Du weißt nicht einmal mehr, was du beten sollst. Alles fühlt sich zu groß an – oder zu leer. Genau davon spricht der Apostel Paulus:
„Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“
Römer 8,26
Unaussprechliches Seufzen. Auch das ist eine Sprache. Vielleicht sogar die ehrlichste. Wenn dir nur noch ein „Ach, Gott…“ über die Lippen kommt, dann reicht das. Gott hört nicht nur Worte. Er hört dein Herz.
Sprache hat Macht. Sie kann aufbauen oder verletzen. Ein Satz kann Mut schenken – oder einen Menschen tief treffen. Die Bibel bringt es nüchtern auf den Punkt:
„Tod und Leben stehen in der Zunge Gewalt.“
Sprüche 18,21
Vielleicht ist dieser Tag eine Einladung, bewusster zu sprechen. Nicht lauter – sondern klarer. Nicht härter – sondern wahrhaftiger. Deine Worte prägen deine Beziehungen. Und sie prägen auch dich selbst.
Und zugleich ist es eine Einladung, ehrlicher mit Gott zu reden. Du musst ihm nichts vorspielen. Kein perfektes Gebet formulieren. Kein religiöses Theater. Gott ist kein Prüfer, der deine Sätze bewertet. Er ist Vater. Und ein Vater versteht sein Kind auch dann, wenn es noch nicht richtig sprechen kann.

Vielleicht probierst du es heute aus. Sag Gott, was dich wirklich bewegt. Deine Freude. Deine Angst. Deinen Ärger. Deinen Dank. In deiner Sprache. In deinem Tempo. Oder bleib einen Moment still und halte ihm einfach dein Herz hin.
Gott versteht dich. Er spricht jede Sprache dieser Welt – und die Sprache deiner Seele sowieso.
Herr,
du kennst meine Worte, bevor ich sie ausspreche.
Du hörst mein Lachen und mein Schweigen.
Wo mir die Worte fehlen, tritt du für mich ein.
Lehre mich, mit meinen Worten Leben zu schenken.
Bewahre meine Zunge vor Härte und meine Gedanken vor Bitterkeit.
Und schenke mir deinen Geist, der mich versteht und leitet.
Amen.
