897 – Wenn Verzicht frei macht

897 – Wenn Verzicht frei macht

Fastenzeit, Sora, prompted Michael Voß
Fastenzeit, Sora, prompted Michael Voß

Guten Morgen, ganz gleich, wo und wie Sie diesen Impuls hören oder lesen. Vielleicht starten Sie gerade mit einer Tasse Kaffee in den Tag. Vielleicht sind Sie unterwegs. Vielleicht suchen Sie einfach einen Moment der Ruhe.

Wir befinden uns in der Passionszeit. Viele Menschen verzichten in diesen Wochen auf Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch, soziale Medien oder andere Gewohnheiten. Verzicht liegt plötzlich im Trend. Doch die entscheidende Frage lautet: Wozu?

Fasten ist älter als jede Lifestyle-Bewegung. Es ist eine geistliche Übung. Schon Jesus selbst ging diesen Weg.

„Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.“
Matthäus 4,1–2

Vierzig Tage in der Wüste. Keine Ablenkung. Keine Bequemlichkeit. Keine Sicherheiten. Nur Hunger. Nur Stille. Nur die eigene innere Stimme – und die Versuchung.

Verzicht legt etwas frei. Er zeigt, woran unser Herz hängt. Wenn ich merke, wie schwer es mir fällt, auf etwas zu verzichten, dann erkenne ich oft erst, wie sehr es mich bestimmt.

Der Versucher sagt zu Jesus: Mach aus Steinen Brot. Nutze deine Macht. Sorge sofort für dich. Still deinen Hunger auf dem schnellsten Weg.

Jesus in der Wüste, Sora, prompted Michael Voß
Jesus in der Wüste, Sora, prompted Michael Voß

Doch Jesus antwortet mit einem Satz, der bis heute trägt:

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“
Matthäus 4,4

Es geht nicht nur um Nahrung. Es geht um Prioritäten. Was nährt mich wirklich? Was gibt meinem Leben Tiefe? Was gibt meinem Herzen Richtung?

Wir leben in einer Zeit ständiger Verfügbarkeit. Alles ist erreichbar. Essen, Unterhaltung, Information, Bestätigung. Ein Klick genügt. Doch je mehr verfügbar ist, desto unklarer wird manchmal, was wirklich notwendig ist.

Feierfasten, Sora, prompted Michael Voß
Feierfasten, Sora, prompted Michael Voß

Fasten bedeutet nicht, das Leben schlechtzureden. Es bedeutet auch nicht, sich selbst zu bestrafen. Es bedeutet, bewusst Raum zu schaffen. Raum für Gott. Raum für Dankbarkeit. Raum für neue Klarheit.

Wenn ich bewusst auf etwas verzichte, merke ich: Ich bin nicht abhängig. Ich bin frei. Und genau darum geht es. Nicht um Leistung. Nicht um religiöse Punkte. Sondern um Freiheit.

Vielleicht verzichten Sie in diesen Wochen auf Süßigkeiten. Vielleicht auf Streaming. Vielleicht auf schlechte Gewohnheiten im Umgangston. Vielleicht auch auf gar nichts – zumindest bisher.

Die entscheidende Frage ist nicht, worauf Sie verzichten. Die Frage ist: Wofür machen Sie Platz?

Jesus widerstand nicht nur dem Hunger. Er widerstand der Versuchung, seine Macht für den eigenen Vorteil zu missbrauchen. Er blieb ausgerichtet auf seinen Auftrag. Auf Gottes Willen. Auf den Weg, der vor ihm lag.

Verzicht schärft den Blick. Er hilft, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Er erinnert uns daran, dass unser Leben mehr ist als Konsum, mehr als Gewohnheit, mehr als Bedürfnisbefriedigung.

Vielleicht entdecken Sie in diesen Tagen eine neue Form der Dankbarkeit. Ein Stück innere Ruhe. Eine neue Sensibilität für Gottes Reden. Manchmal spricht Gott leiser, als unsere Gewohnheiten es zulassen.

Die Wüste war für Jesus kein Ort der Niederlage. Sie wurde zum Ort der Stärkung. Nicht, weil es angenehm war. Sondern weil dort Klarheit wuchs.

Vielleicht braucht auch unser Leben hin und wieder eine kleine Wüste. Nicht als Strafe. Sondern als Raum der Neuorientierung.

Verzicht kann leer wirken. Doch wenn Gott diesen Raum füllt, entsteht Freiheit. Und Freiheit ist ein großes Geschenk.

Morgendämmerung am Fenster, Sora, prompted Michael Voß
Morgendämmerung am Fenster, Sora, prompted Michael Voß

Lassen Sie uns Gott bitten, dass diese Wochen mehr sind als ein Experiment. Dass sie zu einer Zeit der inneren Erneuerung werden.

Herr, du kennst unsere Gewohnheiten und unsere Abhängigkeiten.

Du weißt, woran unser Herz hängt.

Hilf uns, loszulassen, was uns bindet.

Schenke uns Mut zum Verzicht, wo er uns frei macht.

Fülle die Räume, die entstehen, mit deiner Nähe.

Lehre uns, von deinem Wort zu leben.

Amen!

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