
Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer!
Heute ist der 6. Januar – ein Tag, der vor allem in katholisch geprägten Regionen ein gesetzlicher Feiertag ist: „Heilige Drei Könige“. Für viele Evangelische scheint das erstmal ein fremdes Fest zu sein. Doch ganz ehrlich: Diese Geschichte aus der Bibel ist so tief und alltagsnah, dass es sich lohnt, sie auch als evangelischer Christ genauer anzuschauen.
Im Matthäusevangelium lesen wir, wie Weise aus dem Morgenland sich aufmachen, einem Stern folgend, um den neugeborenen König zu suchen.
„Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“
Matthäus 2,1-2
Das ist kein kleiner Spaziergang, den sie da machen. Keine GPS-Navigation. Kein sicherer Plan. Nur ein Stern, ein Hinweis – und eine tiefe Sehnsucht. Sie kommen von weit her, aus einem anderen Kulturkreis, mit fremden Vorstellungen. Und trotzdem sind sie eingeladen, Jesus zu begegnen.

Und dann finden sie ihn auch tatsächlich:
„Und sie gingen in das Haus und fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“
Matthäus 2,11
Diese Geschichte ist viel mehr als nur der Stoff für Krippenspiele oder Festumzüge. Sie stellt uns eine einfache, aber grundlegende Frage: Wem zeigt sich Gott eigentlich?
Die Evangelischen feiern am 6. Januar das Fest „Epiphanias“ – Erscheinung des Herrn. Es erinnert daran, dass Gott nicht nur einem Volk, einer Tradition oder einem Glauben begegnet, sondern allen Menschen. Und genau darin liegt auch die große Kraft dieses Tages für unser evangelisches Leben: Jesus Christus ist das Licht der Welt – und er leuchtet weit über die bekannten Grenzen hinaus.
Das bedeutet: Auch die, die nicht zum „inneren Kreis“ gehören, die Suchenden, Fragenden, Fremden, sind eingeladen. Das betrifft heute viele Menschen in unserer Nachbarschaft. Menschen, die Gott nicht mit dogmatischen Begriffen suchen, sondern mit ehrlicher Sehnsucht. Sie bringen vielleicht kein Gold und keinen Weihrauch mit, aber sie bringen ihre Erfahrungen, ihre Verletzlichkeit, ihre Hoffnung.

Und wer ehrlich sucht – darf hoffen, dass Gott sich finden lässt.
Im Johannesevangelium heißt es:
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Johannes 8,12
Für uns im evangelischen Alltag heißt das: Epiphanias ist kein katholisches Exklusivfest. Es ist ein Einladungstag. Ein Erinnerungstag. Eine Erinnerung daran, dass Gott nicht auf unsere Kirchenmitgliedschaft schaut, sondern auf das Herz. Eine Einladung, das Licht Jesu weiterzutragen – zu Menschen, die gerade selbst im Dunkeln tappen.

Vielleicht kannst du heute ganz praktisch danach leben: Wem könntest du ein Licht sein? Ein Anruf bei jemandem, der sich einsam fühlt. Eine Nachricht, die Hoffnung bringt. Oder einfach mal zuhören – mit offenem Herzen.
Gott zeigt sich. Damals dem fremden Besuch aus dem Osten. Und heute – dir.
Guter Gott,
danke, dass du dich nicht versteckst, sondern zeigst.
Danke, dass du auch Menschen begegnest, die von weit her kommen – im Kopf, im Herzen oder im Leben.
Hilf mir, dein Licht weiterzutragen, auch wenn es nur klein scheint.
Zeig dich heute – in meinem Alltag, in meinem Umfeld, in meinem Inneren.
Amen!
