850 – Gemeinschaft braucht mehr als gute Vorsätze

850 – Gemeinschaft braucht mehr als gute Vorsätze

Vereinte Nationen, Sora, prompted by ChatGPT
Vereinte Nationen, Sora, prompted by ChatGPT

Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser!

Heute blicken wir auf ein bedeutsames Ereignis der Weltgeschichte zurück: Am 10. Januar 1946 trat in London die erste Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammen. Eine Welt, die sich gerade erst vom Schrecken des Zweiten Weltkriegs erholt hatte, suchte nach einer neuen Ordnung, nach Verständigung, nach einer verbindlichen Form von Gemeinschaft. 51 Staaten versammelten sich – vereint in der Hoffnung, dass Zusammenarbeit stärker ist als Krieg. Das war mehr als ein diplomatischer Akt. Es war ein weltweiter Aufbruch in Richtung Verantwortung füreinander.

Und heute? In einer Zeit, in der einzelne Nationen wieder auf Abgrenzung und nationale Stärke pochen, scheint der Gedanke der globalen Gemeinschaft brüchiger denn je. Die USA setzen zunehmend auf Alleingänge, Russland isoliert sich in seiner aggressiven Politik, und auch innerhalb Europas setzt Ungarns Präsident Viktor Orbán auf nationale Interessen statt gemeinschaftlicher Verantwortung. Die Versuchung ist groß, sich auf das Eigene zu konzentrieren – doch dieser Weg führt selten zu Frieden.

Abschottung verkleinert die Möglichkeiten des Machens, Sora, prompted by ChatGPT
Abschottung verkleinert die Möglichkeiten des Machens, Sora, prompted by ChatGPT

Was also sagt unser Glaube dazu? Was sagt die Bibel, wenn die Weltgemeinschaft wankt?

Der Apostel Paulus nutzt in seinem Brief an die Korinther ein eindrucksvolles Bild:

„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, ein Leib sind: so auch Christus.“
1. Korinther 12,12

Was für die Gemeinde gilt, gilt auch im größeren Maßstab: Wir sind aufeinander angewiesen. Wer meint, alleine stark sein zu können, vergisst, dass kein Herz ohne Lunge, keine Hand ohne Arm leben kann. Egoismus zerstört das Ganze – in der Kirche wie in der Weltpolitik.

Paulus führt diesen Gedanken weiter aus:

„Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.“
1. Korinther 12,21

Diese Worte sind so klar, dass man sie nicht erklären muss – man muss sie nur ernst nehmen. Und man muss sich fragen: Wie gehen wir mit Menschen um, mit Gruppen, mit Völkern, die anders sind als wir? Sagen wir ihnen: „Ich brauche euch nicht“ – oder erkennen wir an, dass sie uns vielleicht gerade deshalb etwas geben können, was uns fehlt?

Auch Paulus‘ Brief an die Gemeinde in Rom geht in diese Richtung:

„Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, und jeder ist ein Glied am anderen.“
Römer 12,4-5

Vielfalt ist kein Problem. Vielfalt ist Absicht. Und wenn wir sie nicht zulassen – weder in unseren Gemeinden noch in unserer Gesellschaft – dann zerstören wir das, was Gott sich gedacht hat: eine Menschheit, die in ihrer Unterschiedlichkeit aufeinander angewiesen ist.

Gemeinsam in der U-Bahn kommen ganz verschiedene Menschen schnell voran, Sora, prompted by ChatGPT
Gemeinsam in der U-Bahn kommen ganz verschiedene Menschen schnell voran, Sora, prompted by ChatGPT

Jesus selbst hat in seinem letzten Gebet vor der Kreuzigung für Gemeinschaft gebetet. Es war nicht nur ein Wunsch – es war sein letzter Wille für uns alle:

„Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“
Johannes 17,20-21

Diese Einheit beginnt nicht in New York oder Brüssel. Sie beginnt bei uns. In unseren Entscheidungen. In unseren Beziehungen. Und auch in unserem Blick auf die Welt: Ob wir uns nur um uns selbst drehen – oder ob wir erkennen, dass wir als Christen berufen sind, Brücken zu bauen, Gräben zu überwinden, und gemeinsam zu handeln.

Ganz unterschiedliche Menschen können zusammen viel mehr bewegen, Sora, prompted by ChatGPT
Ganz unterschiedliche Menschen können zusammen viel mehr bewegen, Sora, prompted by ChatGPT

Die UNO war ein Versuch. Und vielleicht war er unvollkommen. Aber er war ein mutiger Anfang. Ein Anfang, der uns heute noch mahnt: Frieden und Gemeinschaft entstehen nicht von allein. Sie brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen – auch, wenn es unbequem ist.

Und manchmal auch gegen den Strom schwimmen.

Herr, du hast uns zur Gemeinschaft berufen.

Nicht zur Abgrenzung, sondern zur Verbindung.

Nicht zur Angst, sondern zur Verantwortung.

Hilf uns, den Mut zu finden, gemeinsam zu leben.

Lass uns erkennen, wo wir gebraucht werden – und wo wir andere brauchen.

Amen!

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