
Guten Morgen an alle, die heute zuhören oder lesen – ganz gleich, ob der Glaube für dich vertraut ist oder eher eine leise Frage im Hintergrund deines Lebens.
Es gibt Tage, da fehlen uns die Worte. Nicht nur im Gespräch mit anderen, sondern auch vor Gott. Manchmal ist es die Traurigkeit, die alles zuschnürt. Manchmal die Erschöpfung. Manchmal eine Nachricht, die uns den Atem nimmt. Wir stehen dann da mit einem Knoten im Inneren und merken: Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Viele glauben, Beten müsse gut formuliert sein. Klar, ruhig, ordentlich. Doch das Leben hält sich selten an klare Sätze. Und Gott weiß das. Die Bibel verschweigt diese Sprachlosigkeit nicht – im Gegenteil.
„Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“
Römer 8,26 (LUT)
Das ist ein erstaunlicher Satz. Er sagt nicht: Reiß dich zusammen. Er sagt nicht: Finde bessere Worte. Er sagt: Gott kennt dieses Schweigen. Mehr noch – er nimmt es ernst. Selbst das Seufzen, dieses wortlose Ausatmen, ist vor Gott kein leeres Geräusch.

Auch Jesus selbst kennt diese Erfahrung. Kurz vor seinem Tod, in einer Nacht voller Angst, ringt er nicht mit schönen Formulierungen, sondern mit der Wirklichkeit.
„Und er sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“
Markus 14,36 (LUT)
Das ist kein glattes Gebet. Es ist ehrlich, fast roh. Jesus sagt, was er fühlt – und bleibt trotzdem im Vertrauen. Das zeigt: Nähe zu Gott entsteht nicht durch perfekte Worte, sondern durch Echtheit.
Vielleicht sitzt du heute da und denkst: Ich habe gerade nichts zu sagen. Dann ist das kein Mangel. Es ist ein Zustand, den Gott kennt. Stille vor ihm ist kein Abbruch der Beziehung, sondern oft ein besonders tiefer Moment. Wer schweigt, hört manchmal mehr, als wer redet.
Es gibt eine Geschichte aus dem Konzentrationslager Auschwitz, dokumentiert in Berichten Überlebender. Ein Rabbiner soll gesagt haben: „Beten heißt manchmal nur noch atmen.“ In einer Situation, in der Sprache versagte, blieb dieses einfache Dasein vor Gott. Mehr war nicht möglich – aber es war genug.

Vielleicht ist das heute deine Erlaubnis: Du musst nichts leisten. Kein inneres Programm abspulen. Kein frommes Vokabular finden. Gott ist da – auch im Schweigen. Gerade dort.
Gott,
du siehst, wo mir die Worte fehlen.
Du kennst meine Gedanken, bevor ich sie sortieren kann.
Bleib bei mir in der Stille.
Trag mich, wenn ich selbst nichts tragen kann.
Amen!
