
Guten Morgen an alle, die heute zuhören oder mitlesen – egal, ob der Glaube für dich vertraut ist oder eher eine offene Frage. Dieser neue Tag beginnt mitten in einer Welt voller Stimmen, Meinungen, Kommentare und Nachrichten. Viele davon erreichen uns nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern über Bildschirme. Genau dort setzt der heutige Gedanke an.
Der 10. Februar ist der internationale Safer Internet Day. Ein Tag, der daran erinnert, wie mächtig Worte sind – besonders dann, wenn sie digital ausgesprochen werden. Ein Kommentar, schnell getippt. Eine Nachricht, im Affekt abgeschickt. Ein Satz, anonym verfasst. Worte können verbinden oder verletzen, aufrichten oder zerstören. Oft bleibt ihre Wirkung länger, als wir ahnen.
Die Bibel kennt diese Macht der Sprache seit Jahrhunderten. Sie spricht nicht modern, aber erstaunlich klar über etwas, das heute aktueller ist denn je.
„Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge, und wer sie liebt, wird ihre Frucht essen.“
Sprüche 18,21
Was für ein starkes Bild: Worte können Leben schenken – oder es klein machen. Und das gilt nicht nur im persönlichen Gespräch, sondern auch dort, wo wir glauben, niemand sehe uns wirklich. Hinter Nutzernamen, Profilbildern oder vermeintlicher Anonymität bleibt unsere Verantwortung bestehen. Worte verlieren ihre Kraft nicht, nur weil sie getippt statt gesprochen werden.

Jesus selbst hat Sprache nie beiläufig benutzt. Seine Worte hatten Gewicht, weil sie von Wahrheit und Liebe getragen waren – auch dann, wenn sie unbequem wurden.
„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“
Matthäus 5,37
Hier geht es nicht um Härte oder Kälte, sondern um Klarheit. Um Verlässlichkeit. Um eine Sprache, die nicht manipuliert, nicht herabsetzt, nicht hetzt. Gerade im digitalen Raum verschwimmen Grenzen schnell. Ironie wird missverstanden. Empörung schaukelt sich hoch. Menschen werden zu Zielscheiben, statt Mitmenschen zu bleiben.
Eine erschütternde, gut dokumentierte Realität zeigt, wie sehr Worte verletzen können: Die britische Wohltätigkeitsorganisation „Ditch the Label“ veröffentlicht seit Jahren Studien zu Cybermobbing. Laut ihrem Report von 2022 berichten Millionen junger Menschen weltweit, dass sie durch digitale Angriffe massive seelische Belastungen erfahren haben – bis hin zu Angststörungen und Depressionen (Quelle: Ditch the Label, „The Annual Bullying Survey 2022“).

Doch es gibt auch die andere Seite. Worte, die Halt geben. Nachrichten, die Mut machen. Kommentare, die nicht mitmachen beim Niedermachen. Ein ehrliches „Ich sehe dich“. Ein respektvolles Schweigen, wo Hetze erwartet wird.
Der Apostel Paulus bringt es schlicht und eindringlich auf den Punkt:
„Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.“
Epheser 4,29
Erbauen – das ist kein großes Wort. Es beginnt im Kleinen. In der Entscheidung, nicht alles zu sagen, was man sagen könnte. In der Bereitschaft, Wahrheit nicht als Waffe zu benutzen. In dem Mut, auch online menschlich zu bleiben.
Vielleicht ist der heutige Tag eine Einladung, kurz innezuhalten, bevor wir etwas posten, teilen oder kommentieren. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung. Weil jedes Wort eine Spur hinterlässt – bei anderen und bei uns selbst.
Gott traut uns zu, mit Sprache sorgsam umzugehen. Nicht perfekt, aber bewusst. Nicht laut, sondern wahrhaftig. Nicht verletzend, sondern dem Leben zugewandt.
Möge dieser Tag uns daran erinnern, dass auch digitale Worte Teil unseres geistlichen Lebens sind – und dass Nächstenliebe keine Offline-Zeiten kennt.
Gott, du kennst unsere Worte, bevor wir sie aussprechen oder schreiben.
Lehre uns, achtsam zu reden und zu schreiben, damit unsere Sprache dem Leben dient.
Schenke uns Mut zur Wahrheit und ein Herz voller Respekt für die Menschen hinter jedem Bildschirm.
Lass unsere Worte Spuren der Hoffnung hinterlassen.
Amen!
