1030 – Gesandt trotz Gegenwind

1030 – Gesandt trotz Gegenwind

Der Prophet Hesekiel steht am Ufer eines Kanals im babylonischen Exil, Gemini
Der Prophet Hesekiel steht am Ufer eines Kanals im babylonischen Exil, Gemini

Schön, dass du heute kurz innehältst.

Heute führt uns die Bibel zu einem Propheten, den viele kaum kennen. Hesekiel war Priester und lebte vor etwa 2.600 Jahren. Als das Volk Juda von den Babyloniern besiegt wurde, verschleppte man ihn zusammen mit vielen anderen Menschen nach Babylon. Fern von seiner Heimat, fern vom Tempel in Jerusalem und fern von allem, was ihm vertraut war, berief Gott ihn zu einem Propheten.

Der Weg von Jerusalem nach Babylon, ChatGPT
Der Weg von Jerusalem nach Babylon, ChatGPT

Seine Aufgabe war alles andere als einfach. Er sollte Gottes Botschaft an Menschen weitergeben, die enttäuscht, verbittert und innerlich verschlossen waren. Viele hatten den Glauben verloren. Andere fragten sich, ob Gott sie überhaupt noch sah. Genau in diese Situation hinein spricht der heutige Bibeltext.

„Er aber sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den Israeliten, zu einem abtrünnigen Volk, das von mir abgefallen ist. Sie und ihre Väter haben bis auf diesen heutigen Tag gegen mich gesündigt. Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu ihnen sollst du sagen: So spricht Gott der HERR! Und sie: Sie mögen hören oder es lassen – denn es ist ein widerspenstiges Haus –, dennoch sollen sie erkennen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist.“
Hesekiel 2,3–5

Wenn wir diese Worte lesen, lohnt sich ein Blick auf den Hintergrund. Jerusalem liegt in Trümmern. Der Tempel, der für die Israeliten das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes war, ist zerstört. Das Volk lebt im Exil. Viele fragen sich: Hat Gott uns verlassen? Andere geben ihm sogar die Schuld an ihrem Leid. Wieder andere wollen von ihm überhaupt nichts mehr wissen.

Und genau zu diesen Menschen schickt Gott Hesekiel.

  • Nicht einen König.
  • Nicht einen Feldherrn.
  • Nicht einen Politiker.

Sondern einen Menschen, der Gottes Worte weitersagen soll.

Bemerkenswert ist dabei, woran Gott den Auftrag Hesekiels misst. Er sagt nicht: „Du wirst alle überzeugen.“ Er verspricht ihm auch keinen sichtbaren Erfolg. Im Gegenteil: Gott bereitet ihn darauf vor, dass viele seine Botschaft ablehnen werden.

Trotzdem soll Hesekiel gehen.

Warum?

Weil Gott die Menschen nicht aufgegeben hat.

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Immer wieder entfernen sich Menschen von Gott. Immer wieder suchen sie ihre eigenen Wege. Und immer wieder geht Gott ihnen nach. Nicht, weil sie es verdient hätten, sondern weil seine Liebe größer ist als ihre Schuld.

Jesus sendet seine Jünger aus, ChatGPT
Jesus sendet seine Jünger aus, ChatGPT

Zwischen Hesekiel und Jesus liegen viele Jahrhunderte. Reiche entstehen und vergehen. Generationen kommen und gehen. Doch Gottes Herz verändert sich nicht. Das Alte Testament erzählt von Gottes Weg mit seinem Volk Israel – von seiner Geduld, seiner Treue und seinem unermüdlichen Werben um die Menschen.

Im Neuen Testament öffnet sich dann das nächste Kapitel dieser Geschichte.

Gott sendet nun nicht mehr nur Propheten. Er kommt selbst zu den Menschen. In Jesus Christus wird Gottes Liebe sichtbar und greifbar. Jesus lebt unter den Menschen, heilt Kranke, vergibt Schuld, richtet Gebeugte auf und lädt jeden ein, Gott neu kennenzulernen. Was Gott schon durch Hesekiel deutlich machte – dass er die Menschen trotz ihres Widerstands nicht aufgibt –, findet in Jesus seinen tiefsten Ausdruck.

Deshalb lesen wir Christen das Alte Testament nicht als eine Sammlung alter Geschichten. Es ist der erste Teil derselben großen Geschichte Gottes mit den Menschen. Jesus steht nicht neben Hesekiel. Er führt weiter, was Gott schon lange zuvor begonnen hat. Darum gehören Altes und Neues Testament untrennbar zusammen.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass Jesus seine Jünger mit Worten aussendet, die an Hesekiels Berufung erinnern:

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“
Johannes 20,21

Ein anderer Student bemerkt ihre Unsicherheit, setzt sich freundlich zu ihr, ChatGPT
Ein anderer Student bemerkt ihre Unsicherheit, setzt sich freundlich zu ihr, ChatGPT

Auch wir werden nicht in eine perfekte Welt gesandt. Wir begegnen Menschen mit Zweifeln, Enttäuschungen und Verletzungen. Manche stehen dem Glauben offen gegenüber. Andere lehnen ihn entschieden ab. Wieder andere haben schlechte Erfahrungen mit Christen oder der Kirche gemacht und möchten von Gott nichts mehr hören.

Jesus fordert uns deshalb nicht auf, andere zu überreden. Er sendet uns als Zeugen seiner Liebe. Nicht mit Druck. Nicht mit lauten Parolen. Sondern mit einem Leben, das glaubwürdig widerspiegelt, wer er ist.

Paulus schreibt nachdenklich seinen Text, Sora, prompted by Michael Voß
Paulus schreibt nachdenklich seinen Text, Sora, prompted by Michael Voß

Paulus schreibt seinem jungen Mitarbeiter Timotheus:

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
2. Timotheus 1,7

Genau diese Kraft brauchte schon Hesekiel. Und genau diese Kraft brauchen auch wir. Gott fragt uns nicht zuerst nach unserem Erfolg. Er fragt nach unserer Bereitschaft, ihm zu vertrauen und ihm zu folgen.

Dabei verschweigt Jesus nicht, dass Gegenwind dazugehören kann. Aber er gibt seinen Nachfolgern einen festen Grund zur Hoffnung:

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16,33

Vielleicht führt Gott dich heute nicht vor eine große Menschenmenge. Vielleicht beginnt dein Auftrag mit einem einzigen Gespräch. Mit einer versöhnten Beziehung. Mit einer helfenden Hand. Mit aufmerksamem Zuhören. Oder mit einem Satz, der einem anderen Menschen neue Hoffnung schenkt.

Zurück aus dem Abseits, ChatGPT
Zurück aus dem Abseits, ChatGPT

Du musst niemanden verändern. Das kann nur Gott.

Aber du darfst dich von ihm gebrauchen lassen.

Genau das verbindet dich mit Hesekiel. Gott sucht keine perfekten Menschen. Er sucht Menschen, die bereit sind, sich senden zu lassen.

So wollen wir gemeinsam beten:

Herr Jesus Christus,

danke, dass Du mich kennst und trotzdem in Deinen Dienst rufst. Du weißt um meine Unsicherheiten, meine Angst vor Ablehnung und mein Zögern. Trotzdem gibst Du mich nicht auf.

Schenke mir den Mut, dort zu Dir zu stehen, wo Du mich hingestellt hast. Lass meine Worte freundlich sein, meine Entscheidungen ehrlich und mein Leben ein Spiegel Deiner Liebe.

Bewahre mich davor, aus Angst zu schweigen, wenn Du reden möchtest. Fülle mich mit Deinem Heiligen Geist, damit Kraft, Liebe und Besonnenheit mein Denken und Handeln prägen.

Öffne meine Augen für die Menschen, denen ich heute begegne. Zeige mir, wo ich Hoffnung weitergeben, Trost schenken oder einfach aufmerksam zuhören kann.

Und wenn ich Gegenwind erfahre, erinnere mich daran, dass Du die Welt überwunden hast. Meine Sicherheit liegt nicht in der Zustimmung anderer Menschen, sondern in Deiner Gegenwart.

Ich möchte Dir vertrauen, Dir folgen und mich von Dir senden lassen – heute und an jedem neuen Tag.

Amen.

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