1093 – Wenn treue Menschen schweres Leid erfahren

1093 – Wenn treue Menschen schweres Leid erfahren

Erinnerung an die verstorbene Ehefrau

Schön, dass du dir heute Zeit für diese Andacht nimmst.

Manche Lebensgeschichten machen sprachlos. Besonders dann, wenn Menschen betroffen sind, die ihr Leben mit großer Hingabe für Gott eingesetzt haben.

Ein Ehepaar hat über viele Jahre seinen Glauben gelebt, anderen Menschen von Jesus erzählt und sich für Gottes Sache engagiert. Anfang dieses Jahres stirbt die Frau an Krebs. Ihr Mann muss lernen, ohne sie weiterzuleben. Und nun erhält er selbst die Diagnose Krebs.

Da drängt sich eine schmerzhafte Frage auf: Warum lässt Gott so etwas zu? Haben diese Menschen nicht genug für ihn getan? Müsste Gott sie nicht gerade deshalb beschützen?

Diese Frage ist keineswegs neu. Als Jesus einem Mann begegnete, der von Geburt an blind war, wollten seine Jünger wissen, wer an dessen Schicksal schuld sei. Jesus antwortete:

Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.
Johannes 9,3

Jesus und der Blinde
Jesus und der Blinde

Jesus widerspricht der Vorstellung, dass schweres Leid automatisch eine Strafe Gottes ist. Er weigert sich, einen leidenden Menschen auf Schuld und Versagen zu reduzieren.

Das bedeutet nicht, dass wir jede Krankheit als besondere Aufgabe Gottes verstehen müssen. Jesus erklärt auch nicht, warum jeder einzelne Mensch leiden muss. Aber er zeigt, dass Gottes Wirken selbst dort möglich ist, wo menschlich betrachtet alles zerbricht.

Auch der Apostel Paulus kannte schweres Leid. Obwohl er sein Leben der Verkündigung von Jesus widmete, blieb ihm eine schwere persönliche Belastung nicht erspart. Dreimal bat er Gott, sie von ihm zu nehmen. Gottes Antwort lautete:

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.
2. Korinther 12,9

Das ist keine Aufforderung, Schmerzen schönzureden. Paulus wollte seine Belastung loswerden. Er betete darum. Doch er erfuhr, dass seine Beziehung zu Christus nicht davon abhing, ob sein Leiden verschwand.

Ausführliches Arztgespräch
Ausführliches Arztgespräch

Und genau das beeindruckt mich an dem Mann aus unserer Geschichte. Er hat seine Frau verloren, kämpft nun selbst mit einer schweren Diagnose und betrachtet seine Situation trotzdem nicht als Ende seines Glaubens. Er fragt, welche Aufgabe er auch jetzt noch übernehmen kann.

Das ist ein außergewöhnliches Zeugnis. Aber wir dürfen daraus keinen Maßstab machen, an dem sich andere schwerkranke Menschen messen müssen. Wer Angst hat, verzweifelt oder mit Gott ringt, glaubt deshalb nicht weniger.

Jesus selbst hat am Kreuz die Verlassenheit herausgeschrien. Er kennt den Schmerz, den Menschen nicht erklären können.

Vielleicht liegt die tiefste Ermutigung deshalb nicht darin, dass Gott uns jedes Leid erspart. Sondern darin, dass seine Liebe nicht an Gesundheit, Erfolg oder unsere Leistungen gebunden ist.

Du musst dir Gottes Zuwendung nicht erarbeiten. Und du verlierst sie nicht, wenn dein Leben aus den Fugen gerät.

Wir dürfen um Heilung bitten, auf medizinische Hilfe vertrauen, miteinander hoffen und zugleich ehrlich sagen, wie schwer dieser Weg ist. Niemand muss ihn mit einem Lächeln bewältigen.

Beispiel für andere
Beispiel für andere

Und manchmal wird ein Mensch gerade dadurch zum Vorbild, dass er trotz aller offenen Fragen an Christus festhält.

Diesen Gedanken möchte ich heute in ein Gebet aufnehmen.

Herr Jesus Christus,

ich denke heute an Menschen, deren Leben von Krankheit, Verlust und Schmerz erschüttert wird. An diejenigen, die einen geliebten Menschen begraben mussten und nun selbst um ihre Gesundheit kämpfen.

Ich verstehe nicht, warum solche Wege sein müssen. Und ich will keine Antworten erfinden, wo mir die Worte fehlen.

Bitte schenke Heilung, wo Heilung möglich ist. Gib den Ärzten Weisheit, den Behandlungen Erfolg und den Kranken neue Kraft für jeden kommenden Tag.

Wenn die Angst zu groß wird, halte mich fest. Wenn die Fragen bleiben, gib mir den Mut, sie dir zu sagen. Und wenn ich nicht mehr stark sein kann, lass mich wissen, dass ich auch schwach zu dir gehören darf.

Bewahre mein Herz davor, Krankheit als Strafe zu sehen und deinen Wert an meinem Wohlergehen zu messen.

Lass mich deine Liebe erkennen, auch wenn mein Weg schwer ist. Zeige mir, wo ich anderen noch etwas geben kann, ohne dass ich mich selbst dabei überfordere.

Und wenn mir die Kraft fehlt, dann trag du mich. Nicht weil ich so viel für dich getan habe, sondern weil ich dir gehöre.

Amen.

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