1038 – Eine Kirche, die nicht schweigt

1038 – Eine Kirche, die nicht schweigt

Paulus steht ruhig und aufrecht vor dem römischen Statthalter Felix, Gemini
Paulus steht ruhig und aufrecht vor dem römischen Statthalter Felix, Gemini

Danke, dass du dir heute Zeit für diese Andacht nimmst.

„Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.“
Apostelgeschichte 24,14

Paulus steht vor Gericht. Führende Männer aus Jerusalem sind nach Cäsarea gereist, um ihn beim römischen Statthalter Felix anzuklagen. Sie nennen ihn einen Unruhestifter und werfen ihm vor, die öffentliche Ordnung zu gefährden.

Paulus reagiert weder aggressiv noch eingeschüchtert. Er beschimpft seine Gegner nicht. Er versucht aber auch nicht, seinen Glauben so klein und harmlos darzustellen, dass niemand mehr daran Anstoß nehmen könnte. Er sagt offen, wem er dient und worauf seine Hoffnung gründet.

„Ich habe die Hoffnung zu Gott, die auch sie selbst haben, nämlich dass es eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten geben wird.“
Apostelgeschichte 24,15

Paulus spricht vor einem politischen Entscheidungsträger über seinen Glauben. Und dieser Glaube bleibt nicht im Privaten. Später redet er mit Felix über Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung und das kommende Gericht. Damit berührt er Fragen, die nicht nur das persönliche Seelenleben betreffen. Es geht um Macht, Verantwortung und darum, wie Menschen miteinander umgehen.

Auch Kirchen können zu Pressekonferenzen einladen und Gottes Wort beisteuern, Gemini
Auch Kirchen können zu Pressekonferenzen einladen und Gottes Wort beisteuern, Gemini

Auch in Deutschland wird darüber gestritten, ob und wie deutlich sich Kirchen zu aktuellen politischen Themen äußern sollen. Manche Stimmen fordern, sie sollten sich stärker aus politischen Debatten heraushalten.

Natürlich ist Kirche keine Partei. Sie darf das Evangelium nicht mit einem Parteiprogramm verwechseln. Christen können in politischen Fragen zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Auch kirchliche Stellungnahmen sind nicht automatisch richtig, nur weil sie von einer Kanzel, einem Bischof oder einer Synode stammen.

Doch Schweigen ist nicht neutral, wenn Menschenwürde verletzt, Wahrheit verdreht oder Schwache übersehen werden.

Vertreter einer Kirchengemeinde beraten über eine öffentliche Stellungnahme zum Schutz benachteiligter Menschen, Gemini
Vertreter einer Kirchengemeinde beraten über eine öffentliche Stellungnahme zum Schutz benachteiligter Menschen, Gemini

Jesus hat sich den Ausgegrenzten zugewandt. Er hat religiöse und politische Macht nicht pauschal verurteilt, aber ihren Missbrauch deutlich benannt. Wer ihm folgt, kann deshalb nicht so tun, als hätten Gerechtigkeit, Frieden, Barmherzigkeit und der Schutz des Lebens nichts mit dem öffentlichen Zusammenleben zu tun.

Paulus zeigt dabei, wie christliches Reden aussehen kann: klar, sachlich und ohne Verachtung. Er macht seine Gegner nicht zu Feinden, die vernichtet werden müssen. Aber er verschweigt seine Überzeugung auch nicht, um sich Ärger zu ersparen.

„Darin übe ich mich, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen.“
Apostelgeschichte 24,16

Ein gutes Gewissen entsteht nicht dadurch, dass wir zu allem etwas sagen. Es entsteht auch nicht dadurch, dass wir uns auf die vermeintlich richtige Seite stellen. Es wächst dort, wo wir Jesus fragen: Ist das wahr? Ist das gerecht? Dient es den Menschen? Spreche ich aus Liebe oder aus dem Wunsch, andere herabzusetzen?

Felix hört Paulus zu. Als Paulus über Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und das kommende Gericht spricht, bekommt der Statthalter Angst. Seine Antwort lautet:

„Für diesmal geh hin; zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen.“
Apostelgeschichte 24,25

Felix vertagt die Wahrheit. Er hört, was ihn betrifft, möchte sich aber jetzt nicht damit auseinandersetzen.

Diese Gefahr besteht auch für uns. Wir können über die politische Verantwortung der Kirche diskutieren und dabei übersehen, dass Gottes Wort zuerst uns selbst fragt: Wo schweigst du aus Bequemlichkeit? Wo redest du zu schnell? Wo verteidigst du deine politische Haltung, aber nicht die Würde des Menschen? Wo brauchst du den Mut, freundlich und klar zu widersprechen?

Eine Kirche, die Jesus folgt, darf ihre Stimme nicht verkaufen. Weder an eine Regierung noch an eine Opposition, weder an den Zeitgeist noch an die eigene Tradition. Sie gehört Christus. Deshalb soll sie reden, wenn seine Liebe, seine Wahrheit und seine Gerechtigkeit auf dem Spiel stehen. Nicht rechthaberisch, nicht parteipolitisch und nicht von oben herab – aber hörbar.

Christen verteilen Lebensmittel, Gemini
Christen verteilen Lebensmittel, Gemini

Bringen wir vor Jesus, wo wir Klarheit, Mut und Demut brauchen.

Jesus Christus,

lass deine Kirche nicht verstummen, wenn Menschen Schutz brauchen und Wahrheit ausgesprochen werden muss.

Bewahre uns davor, deinen Namen für Macht, Parteien oder eigene Interessen zu benutzen.

Gib uns Worte, die klar sind, ohne zu verletzen, und mutig, ohne überheblich zu werden.

Zeige uns, wann wir reden müssen und wann wir zuerst zuhören sollen.

Prüfe unser Gewissen und löse uns von der Angst vor Ablehnung.

Lass uns nicht schweigen, nur weil Wahrheit unbequem wird.

Lass uns aber auch nicht reden, um uns selbst wichtigzumachen.

Stell uns an die Seite der Schwachen, der Übersehenen und derer, deren Stimme kaum gehört wird.

Mach uns frei von Hass und führe uns in deine Gerechtigkeit.

Du bist unser Herr.

Dir wollen wir folgen.

Amen.

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