748 – Die Kraft der Worte

748 – Die Kraft der Worte

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser,

manchmal reichen drei Worte, um ein Leben zu verändern: „Ich liebe dich.“
Oder auch: „Ich hasse dich.“

Worte sind mehr als Laute, mehr als Buchstaben auf Papier oder Pixel auf einem Bildschirm. Worte können befreien – oder zerstören. Sie können verbinden – oder spalten. Und deshalb lohnt es sich, am heutigen Hieronymus-Tag, der an die Kraft der Übersetzung erinnert, einmal genauer hinzuschauen: Was machen Worte mit uns? Und was machen wir mit Worten?

Im Anfang war das Wort – so beginnt das Johannesevangelium:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“
Johannes 1,1

Dieses „Wort“ – griechisch: Logos – ist mehr als eine Vokabel. Es ist Ausdruck des göttlichen Willens, des Ursprungs, des Sinns. Gott spricht – und es wird. Worte sind schöpferisch. Und wer das bezweifelt, erinnere sich an ein einziges aufrichtig gesprochenes „Es tut mir leid.“ – wie viel Heilung darin liegen kann!

Entscheidung am Bildschirm, Sora, prompted by ChatGPT
Entscheidung am Bildschirm, Sora, prompted by ChatGPT

Aber wir wissen auch: Worte können verletzen. Worte können spalten. In den Sozialen Medien, in der Politik, in Familien, in Gemeinden. Manchmal ist es nicht die Faust, sondern ein spitzer Kommentar, der ewig nachhallt.

Darum mahnt der Jakobusbrief sehr eindrücklich:

„So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer – welch großen Wald zündet es an!“
Jakobus 3,5

Der Text ist fast 2000 Jahre alt – und passt doch perfekt in unsere Zeit. Gerade heute, wo jeder mit wenigen Klicks seine Meinung hinausposaunen kann. Die Bibel ruft nicht zum Schweigen auf – aber zur Achtsamkeit. Und zum Zuhören.

Doch Worte können auch heilen. Erinnern wir uns an die Szene, in der Jesus einen Gelähmten heilt – nicht durch eine Berührung, sondern durch ein gesprochenes Wort:

„Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“
Markus 2,5

Ein Satz – und das Leben dieses Mannes verändert sich völlig. Vergebung, Heilung, Hoffnung – alles beginnt mit einem Wort. Einem göttlichen Wort.

Und das bringt uns zurück zu Hieronymus, dem Bibelübersetzer, dessen Gedenktag heute gefeiert wird. Er hat die Bibel aus dem Griechischen und Hebräischen ins Lateinische übersetzt – damit Menschen das Wort Gottes verstehen können. Seine Arbeit war mehr als ein Sprachtransfer. Es war der Versuch, Gottes Reden in die Sprache der Zeit zu holen.

Hieronymus bei der Übersetzung, Sora, prompted by ChatGPT
Hieronymus bei der Übersetzung, Sora, prompted by ChatGPT

Das ist auch heute unsere Aufgabe: die Bibel nicht nur zu lesen, sondern zu „übersetzen“ – in unseren Alltag, in unsere Gespräche, in unsere Entscheidungen. Was bedeutet „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ für mein Verhalten in der Schulklasse? Im Büro? Im Netz?

Wir müssen keine Bibelübersetzer wie Hieronymus sein, aber wir alle sind „Übersetzer“ – Gottes Liebe in Sprache und Leben.

Vielleicht fragst du dich: Und wenn mir die Worte fehlen? Wenn ich verletzt bin oder sprachlos?

Dann darfst du wissen: Auch das Schweigen ist nicht sprachlos vor Gott. Denn manchmal betet der Heilige Geist für uns – ohne Worte:

„Der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.“
Römer 8,26

Gottes Wort ist nicht nur ein Text. Es ist eine lebendige Kraft. Es kann aufrichten, trösten, leiten. Und ja, manchmal auch herausfordern.

Tröstende Schulhofszenen, Sora, prompted by ChatGPT
Tröstende Schulhofszenen, Sora, prompted by ChatGPT

Lasst uns darum achtsam sprechen. Lasst uns ehrlich, barmherzig und wahrhaftig reden. Und lasst uns nicht vergessen: Jedes unserer Worte hat Gewicht. Es kann etwas in Bewegung bringen – im Guten wie im Schlechten.


Herr, hilf uns, dass unsere Worte Leben spenden.
Dass sie aufrichten statt niederreißen.
Dass wir still sein können, wo Zuhören mehr heilt als Reden.
Dass wir mutig reden, wo Wahrheit gebraucht wird.
Dass dein Wort in uns lebendig bleibt – und weitergegeben wird.
Amen!


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