750 – Die stärkste Kraft

750 – Die stärkste Kraft

Liebevolles Ehepaar im Wohnzimmer, Sora, prompted by ChatGPT
Liebevolles Ehepaar im Wohnzimmer, Sora, prompted by ChatGPT

Liebe Leserinnen und Hörer, liebe Hörer und Leser,

heute ziehen wir eine Stelle aus der Bibel, die man fast zu gut kennt. So gut, dass sie oft nur noch auf Hochzeiten auftaucht oder als Wanddeko. Aber wenn man sie nicht wie ein Poster betrachtet, sondern wie ein Spiegel, dann wird sie ziemlich deutlich – und auch ziemlich schön. Gemeint ist der berühmte Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief:

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“
1. Korinther 13,4-7

Man könnte diesen Text als eine Checkliste lesen – und vermutlich bei jedem zweiten Punkt sagen: „Okay, das war bei mir gestern nicht so ganz der Fall.“
Geduld? Puh.
Nicht nachtragend sein? Naja.
Sich über die Wahrheit freuen? Nur, wenn sie mir nicht wehtut.

Paulus schreibt seinen Brief an die Korinther. Das Bild im Stil des Barocks zeigt den Apostel Paulus, wie er seinen Brief an die Korinther schreibt, umgeben von der dramatischen Licht- und Schattenspiel, das für diese Epoche typisch ist. - DALL·E, prompted by Michael Voß
Paulus schreibt seinen Brief an die Korinther. Das Bild im Stil des Barocks zeigt den Apostel Paulus, wie er seinen Brief an die Korinther schreibt, umgeben von der dramatischen Licht- und Schattenspiel, das für diese Epoche typisch ist. – DALL·E, prompted by Michael Voß

Paulus beschreibt hier keine romantische Liebe, sondern die Liebe, die alles trägt – „agape“, die hingebungsvolle, selbstlose Liebe. Und: Er meint damit keine menschliche Leistung, sondern ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk, das aber wachsen darf. Wie ein Muskel. Oder wie ein Baum.

In Gesprächen mit Menschen, die tief geliebt haben – manchmal über viele Jahrzehnte –, habe ich oft gehört: Liebe ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Eine Haltung. Nicht etwas, das vom Himmel fällt, sondern etwas, das man übt.
Und gleichzeitig spürt man, dass in solcher Liebe etwas Göttliches steckt. Da ist ein Kern, den kein Mensch selbst herstellt.

Jesus selbst hat diese Liebe vorgelebt: Geduldig mit Zweiflern. Freundlich zu Ausgegrenzten. Klarsichtig gegen Ungerechtigkeit. Nie berechnend, nie bitter. Selbst am Kreuz noch hat er vergeben.

Liebevolles Antlitz Jesu, Sora, prompted by ChatGPT
Liebevolles Antlitz Jesu, Sora, prompted by ChatGPT

Diese Liebe, sagt Paulus, ist das Einzige, was bleibt. Alles andere vergeht – Wissen, Erfolge, Meinungen. Aber Liebe nicht.

Wenn wir mit uns selbst streng sind, hilft vielleicht ein Perspektivwechsel: Dieser Text ist kein Maßstab, den wir nie erreichen. Sondern eine Einladung. Eine Richtung.
Gott ist langmütig mit uns. Freundlich. Nicht nachtragend.
Er trägt uns durch unsere Widersprüche hindurch.

Was wäre, wenn man diesen Abschnitt nicht nur als To-do-Liste für sich selbst liest – sondern als Beschreibung dessen, wie Gott uns liebt?

Die Liebe ist langmütig – Gott gibt dir Zeit. Die Liebe rechnet das Böse nicht zu – Gott trägt nicht nach. Die Liebe erträgt alles – selbst deine Zweifel. Die Liebe hofft alles – auch an Tagen, wo du nicht hoffen kannst.

Freundliche U-Bahn Begegnung, Sora, prompted by ChatGPT
Freundliche U-Bahn Begegnung, Sora, prompted by ChatGPT

Wenn du heute jemandem begegnest, der schwer auszuhalten ist – fang klein an.
Ein kurzer Gedanke: „Du bist auch geliebt.“
Wenn du heute an dir selbst verzweifelst – lies diese Verse nochmal. Nicht als Maßstab. Sondern als Versprechen.


Gott, lehre mich, zu lieben wie Du.
Nicht aus eigener Kraft, sondern aus Deiner Fülle.
Wo ich ungeduldig bin, gib mir Langmut.
Wo ich nachtragend bin, gib mir einen weiten Blick.
Lass Deine Liebe durch mich hindurchscheinen – in allem, was ich heute tue.

Amen.


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