
Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Hörer, liebe Freunde,
gestern haben wir mit Lukas 11 begonnen und gesehen, wie Jesus seine Jünger ins Gebet führt – nicht mit einer Anleitung, sondern mit einem Vaterwort. Heute schauen wir direkt weiter, denn Jesus bleibt beim Thema. Und er geht einen Schritt weiter: Vom „Wie“ des Betens zum „Was passiert eigentlich, wenn ich bete?“
Und da wird es richtig spannend.
Jesus erzählt eine kleine Geschichte, die im Alltag der Menschen sofort verständlich war. Es geht um einen Freund, der mitten in der Nacht anklopft:
„Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund, und der geht um Mitternacht zu ihm und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist auf Reisen zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann. Und der drinnen würde antworten: Mach mir keine Mühe, die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Zudringlichkeit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.“
Lukas 11,5–8

Zudringlichkeit. Ein ungewöhnliches Wort. Gemeint ist: Dranbleiben. Hartnäckig sein. Nicht locker lassen. Es ist fast unangenehm. Wer klopft denn nachts an, wenn alle schlafen? Wer ist so dreist?
Jesus sagt: Genau so soll dein Gebet sein.
Nicht höflich und vorsichtig – sondern mutig und vertrauensvoll. Denn Gott ist kein genervter Nachbar hinter verschlossener Tür. Er ist ein Vater, der gern gibt. Jesus führt die Gedanken weiter:
„Darum sage ich euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“
Lukas 11,9–10
Was für eine Verheißung! Drei Worte, die sich wiederholen: Bitten – Suchen – Anklopfen. Und jedes Mal die Zusage: Du wirst nicht leer ausgehen. Das ist keine Vertröstung, kein Vielleicht. Das ist Jesu Garantie.

Doch wie oft fühlen wir uns beim Beten, als ob niemand antwortet? Als ob wir klopfen und klopfen – aber keiner aufmacht? Genau da setzt Jesus noch einen drauf. Er nimmt das Bild vom Vater – und jetzt bringt er ein echtes Papa-Kind-Beispiel:
„Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst: wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“
Lukas 11,11–13

„Wie viel mehr!“ – das ist das Herzstück. Jesus sagt: Wenn selbst ihr Menschen gute Dinge gebt, obwohl ihr egoistisch seid – wie viel mehr wird Gott, der gut ist, geben, was wir wirklich brauchen.
Was für eine Perspektive!
Gott gibt nicht immer genau das, was wir uns vorstellen – aber immer das, was gut für uns ist. Und das Größte, was er geben kann, ist nicht irgendein äußerer Segen, sondern sein Geist. Seine Nähe. Seine Kraft. Seine Gegenwart.
Gott ist großzügig. Aber er liebt es, wenn wir hartnäckig kommen. Nicht, weil wir ihn überreden müssen. Sondern weil Bitten Beziehung ist. Weil Suchen Vertrauen zeigt. Weil Anklopfen Ausdruck von Glauben ist.

Ich habe einmal eine Geschichte gelesen von Corrie ten Boom, die als Christin im Zweiten Weltkrieg Juden versteckt und später im KZ war. Asl fleißiger Hörer und Leser kennt ihr die Frau ja bereits. Sie sagte nach ihrer Befreiung einmal: „Ich habe gelernt, Gott nicht nur dann zu vertrauen, wenn er gibt, was ich erbitte – sondern auch dann, wenn er etwas anderes gibt, weil es besser für mich ist.“
Das ist reifes Vertrauen. So wächst Glaube.
Vielleicht hast du heute ein Gebetsanliegen, das du schon lange mit dir herumschleppst. Etwas, das dich umtreibt. Dann nimm dir Lukas 11 zu Herzen: Klopf weiter an. Vertrau weiter. Bete weiter. Und erwarte nicht weniger – sondern mehr.
Vater, du gibst gern.
Mehr, als wir verdienen.
Mehr, als wir erwarten.
Mehr, als wir manchmal zu hoffen wagen.
Hilf uns, mutig zu bitten.
Dranzubleiben.
Dir zu vertrauen – auch dann, wenn die Tür noch zu scheint.
Denn du bist gut.
Und du gibst gern.
Amen!

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