797 – Freiheit – aber nicht grenzenlos

797 – Freiheit – aber nicht grenzenlos

Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser!

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Das klingt wie ein Schlachtruf. Ein Aufruf zur Emanzipation. Endlich keine religiösen Vorschriften mehr! Keine starren Regeln! Kein Druck von außen! Aber halt – was meint Paulus eigentlich mit dieser Freiheit, die er in seinem Brief an die Galater beschreibt? Und wie passt sie zu dem Leben, das Jesus uns zeigt?

In Galater 5 lesen wir diesen aufrüttelnden Satz:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.“
Galater 5,1

Freiheit also. Aber nicht einfach eine Freiheit von allem – sondern eine Freiheit zu etwas. Paulus warnt nämlich auch: Wer die Freiheit als Vorwand nutzt, um sich selbst der Nächste zu sein, hat sie im Grunde schon verloren. Denn das Ziel dieser Freiheit ist nicht der Ego-Trip, sondern die Liebe.

Deshalb schreibt er auch:

„Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern.“
Galater 5,13

Das ist das Gegenteil von dem, was uns unsere Zeit oft einflüstert: Dass Freiheit bedeutet, niemandem verpflichtet zu sein. Paulus aber macht klar: Freiheit in Christus bedeutet, frei zu werden vom Zwang, sich selbst immer an erste Stelle zu setzen – und dadurch überhaupt erst fähig zur echten Liebe.

Freundliche Begegnung vor dem Gemeindehaus, Sora, prompted by ChatGPT
Freundliche Begegnung vor dem Gemeindehaus, Sora, prompted by ChatGPT

Ein berühmter Theologe sagte einmal: „Frei ist nicht der, der tun kann, was er will, sondern der, der nicht tun muss, was er nicht will.“ Das ist eine tiefere Form von Freiheit. Eine Freiheit, die aus der Bindung an Gott erwächst.

Und deshalb geht Paulus noch weiter. Er warnt davor, dass Menschen, die ihre Freiheit nur für sich selbst leben, bald wieder zu Sklaven werden – diesmal nicht des Gesetzes, sondern ihrer eigenen Triebe, Wünsche, des „Fleisches“, wie er es nennt.

„Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.“
Galater 5,16

Und etwas später heißt es:

„Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.“
Galater 5,18

Spontane Straßennhilfe, Sora, prompted by ChatGPT
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Das ist mehr als ein religiöser Appell. Es ist ein Lebensstil. Wer sich vom Geist Gottes führen lässt, braucht keine Liste von Geboten. Denn der Geist Gottes führt immer zur Liebe. Er führt zu Geduld. Zu Gerechtigkeit. Zu Sanftmut. Zu Selbstbeherrschung. All das zählt Paulus dann als „Frucht des Geistes“ auf (Verse 22–23). Freiheit, die wirklich trägt, zeigt sich eben nicht in großen Sprüchen, sondern in kleinen Entscheidungen.

Manchmal denken wir, frei zu sein, wenn wir keine Verpflichtungen haben. Keine Termine, keine Grenzen. Doch oft ist genau das der Weg in eine neue Unfreiheit: Wir werden getrieben von Erwartungen, von äußeren Einflüssen oder von unserem eigenen Ehrgeiz. Wer sich selbst der Maßstab ist, lebt oft unter einem gnadenlosen Gesetz.

Nachdenkliche Pause im Büro, Sora, prompted by ChatGPT
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Deshalb ist die Einladung von Paulus so aktuell: Du bist berufen zur Freiheit – aber nicht zur Selbstverwirklichung um jeden Preis. Sondern zur Liebe. Zur Beziehung. Zum Dienen. Nicht als Last, sondern als Ausdruck echter Stärke. Denn in einem Leben, das sich dem Geist Gottes öffnet, entsteht etwas völlig Neues.

Vielleicht ist das heute auch dein Punkt. Du musst nicht alles machen. Du musst nicht jedem gefallen. Du darfst frei sein – nicht zum Zweck der Selbstverwirklichung, sondern weil du schon geliebt bist. Und diese Liebe kann durch dich weiterfließen.

So sieht gelebte Freiheit aus: Nicht losgelöst von allem, sondern tief verbunden – mit Gott, mit anderen, mit dir selbst.


Herr, lehre mich, was es heißt, frei zu sein in Dir.

Befreie mich von allem, was mich gefangen hält:

Mein Leistungsdenken, meine Angst, mein Stolz.

Hilf mir, meine Freiheit nicht zu missbrauchen, sondern sie zu leben in Deiner Liebe.

Zeig mir, wie ich anderen dienen kann – nicht aus Zwang, sondern aus Freude.

Erfülle mich mit Deinem Geist – und leite mich.

Amen!


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