Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser,
in einer Welt, in der so vieles durcheinandergerät – Wahrheiten, Maßstäbe, Menschen – klingt ein Aufruf zur „Waffenrüstung“ im ersten Moment fast bedrohlich. Aber der Text aus dem Epheserbrief will keine Angst machen. Er lädt uns ein, nicht wehrlos durchs Leben zu gehen. Nur: Es geht nicht um Stahl und Schwert – sondern um Wahrheit, Glaube, Frieden, Gebet. Was für eine Umkehrung der Weltlogik!
„Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels.“
Epheser 6,10–11

Der Apostel Paulus schreibt aus dem Gefängnis. Er ist gefesselt – und spricht dennoch von Kraft, Stärke und Freiheit. Er sieht keine Soldatenrüstung vor Augen, sondern ein geistliches Gegenmodell zur Gewalt. Er schreibt an die Gemeinde in Ephesus, die sich in einer multireligiösen und politischen Reibungszone befand – mitten im römischen Machtapparat, umgeben von Götterbildern, Meinungen, Druck. Paulus sagt: Ihr müsst nicht kuschen. Aber ihr müsst auch nicht schlagen. Stattdessen: Steht fest!
„Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“
Epheser 6,12
Das ist ein entscheidender Satz: Es geht nicht um Menschen als Gegner. Nicht um politische Systeme oder nervige Kollegen. Der eigentliche Kampf ist tiefer. Der Widerstand ist nicht gegen Menschen gerichtet, sondern gegen das, was zerstört, verwirrt, verführt. Gegen Lüge. Hass. Hochmut. Resignation. Dagegen brauchst du geistliche Waffen – sonst gehst du unter. Oder wirst selbst Teil des Problems.
„So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens.“
Epheser 6,14–15
Wahrheit statt Selbstlüge. Gerechtigkeit statt Gleichgültigkeit. Und – besonders schön: Stiefel, um für Frieden loszugehen. Das ist ein anderes Bild von Kampf. Wer die Wahrheit liebt, muss oft gegen den Strom stehen. Wer Gerechtigkeit ernst nimmt, gerät mit Machtmenschen in Konflikt. Und wer Frieden will, wird oft zwischen die Fronten geraten. Deshalb braucht es Schutz.
„Vor allem aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.“
Epheser 6,16–17

Der Glaube als Schild – nicht, weil er dich von allem Übel fernhält, sondern weil er die Brandpfeile löscht, bevor sie dein Herz entzünden. Wer glaubt, steht nicht nackt da, wenn Kritik kommt, wenn Anfechtung zuschlägt, wenn Hoffnung unter Beschuss gerät. Und dann: das einzige „Waffenstück“, das nicht der Verteidigung dient, sondern dem Gegenangriff – das Schwert. Aber: Es ist das Wort Gottes. Kein Twitter-Stich. Kein Streit-Argument. Sondern Gottes Wahrheit, die trifft – nicht verletzt. Die klärt – nicht zerstört.
„Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen.“
Epheser 6,18

Am Ende bleibt das Gebet. Nicht als Rückzugsraum, sondern als Kommandozentrale. Wer betet, bleibt verbunden. Mit Gott – aber auch mit denen, die genauso kämpfen: im Alltag, in Familie, im Beruf, in der Kirche, im Gewissen. Du bist nicht allein. Die Rüstung wird gemeinsam getragen. Und immer wieder neu angelegt.
Es gab mal einen Jugendlichen, der in der Schule ständig gehänselt wurde. Er war nicht besonders stark, hatte keinen angesagten Style, gehörte zu keiner Clique. Aber er ließ sich nicht fertig machen. Einmal wurde er gefragt, wie er das aushält. Seine Antwort war still, aber deutlich: „Ich hab morgens gebetet. Ich wusste, ich bin nicht allein. Und ich will nicht wie die anderen werden.“
Diese Haltung – das ist gelebte Waffenrüstung.

Mach dich bereit. Nicht zum Angriff, sondern zum Aushalten, zum Klarbleiben, zum Eintreten. Für den Frieden. Für das Evangelium. Für die Wahrheit.
Jesus selbst ist unser bester Schutz. Und unser Vorbild.
Jesus, du kennst die Kämpfe in mir und um mich herum.
Hilf mir, deine Wahrheit zu lieben.
Stärke meinen Glauben, wenn ich müde werde.
Beschütze mein Herz mit deiner Gerechtigkeit.
Lehre mich, für Frieden zu gehen und nicht zu fliehen.
Schenke mir dein Wort – zur Klarheit, nicht zum Schlag.
Lehre mich beten – ehrlich, ausdauernd, verbunden.
Ich will mit dir stehen, heute und morgen.
Amen!
