848 – Recht oder Macht?

848 – Recht oder Macht?

Soldaten vor einer Landkarte mit Zielgebieten, Sora, prompted by ChatGPT
Soldaten vor einer Landkarte mit Zielgebieten, Sora, prompted by ChatGPT

Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer.

Manchmal liest man eine Nachricht und denkt: Das darf doch nicht wahr sein. Da wird ein ausländischer Präsident auf fremdem Boden festgenommen und in ein anderes Land verbracht – ohne Verfahren, ohne internationale Zustimmung. Zur selben Zeit wird ein Schiff auf dem offenen Meer von Soldaten eines anderen Staates gestoppt. Es wird entschieden, als gäbe es kein Völkerrecht, sondern nur das Recht des Stärkeren. Und manche sprechen sogar wieder vom Erwerb fremden Landes durch militärische Präsenz. Was ist das für eine Welt?

Als Christinnen und Christen stehen wir nicht über der Politik – aber wir stehen auch nicht blind daneben. Wir sind gerufen, zu fragen: Was ist Gerechtigkeit? Was ist Recht? Und: Wo verlaufen die Grenzen zwischen legitimer Macht und nackter Willkür?

Der Apostel Paulus schreibt:

„Jedermann sei den Obrigkeiten untertan; denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.“
Römer 13,1

Paulus fordert nicht zur kritiklosen Unterwerfung auf. Vielmehr erkennt er an, dass Ordnung notwendig ist, um Leben zu schützen. Aber diese Ordnung darf nicht zur Deckung für Gewalt oder Ungerechtigkeit verkommen. Die Frage bleibt: Wessen Ordnung ist es? Und wem dient sie?

Mann am Grenzzaun, Sora, prompted by ChatGPT
Mann am Grenzzaun, Sora, prompted by ChatGPT

In der Apostelgeschichte lesen wir:

„Er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen.“
Apostelgeschichte 17,26

Gott respektiert die Eigenständigkeit von Völkern und Nationen. Er setzt Grenzen – nicht willkürlich, sondern zum Schutz. Aber niemals dazu, um sie mit Gewalt zu überschreiten. Grenzen sind nicht dafür da, mit Panzern verschoben zu werden.

Gerechtigkeit ist nicht das Recht des Stärkeren. Das macht der Prophet Amos deutlich:

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!“
Amos 5,24

Recht, das fließt wie Wasser – das ist kein statisches Gesetzbuch, sondern ein lebendiger Strom. Gerechtigkeit ist kein Besitz der Mächtigen, sondern ein Auftrag an alle. Sie darf nie im Dienst des Eigennutzes stehen.

Jesus selbst macht das Spannungsfeld zwischen weltlicher und göttlicher Autorität sichtbar:

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“
Matthäus 22,21

Das heißt: Der Staat hat seine Verantwortung. Aber es gibt eine Grenze. Und die liegt dort, wo Recht zu Unrecht wird, wo Menschenwürde mit Füßen getreten wird, wo die Macht sich über das Leben erhebt.

Gott ist auf der Seite der Schwachen. Das sagt die Bibel an vielen Stellen – zum Beispiel hier:

„Der Fremdling, der bei euch wohnt, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“
3. Mose 19,34

Was für ein Maßstab! Nicht: Schützt eure Grenzen mit Gewalt, sondern: Liebt den, der euch fremd ist. Diese Haltung ist revolutionär – gerade in einer Zeit, in der Staaten wieder beginnen, ihr vermeintliches Recht mit Macht zu untermauern.

Kind und Grenzposten, Sora, prompted by ChatGPT
Kind und Grenzposten, Sora, prompted by ChatGPT

Und Jesus sagt:

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Gottes Kinder sind keine Zuschauer. Sie sind Friedensmacher. Sie stehen auf. Nicht mit Gewalt, sondern mit Gewissen. Nicht mit Lautstärke, sondern mit Klarheit.

Entschlossene Frau mit Bibel, Sora, prompted by ChatGPT
Entschlossene Frau mit Bibel, Sora, prompted by ChatGPT

Und so kommen wir zu einem Gebet – einem Soul-Song, geboren aus Schmerz, Hoffnung und der tiefen Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Er wird gesungen. Nicht, weil die Welt gut ist, sondern weil wir glauben, dass Gott gut ist.

Du Gott der Wahrheit,

du Richter der Völker,

du Freund der Geringen,

wir kommen zu dir.

Wir sehen das Unrecht,

wir spüren die Ohnmacht,

wir hören das Schweigen.

Aber du schweigst nicht.

Du redest durch das Gewissen,

durch dein Wort,

durch deine Liebe.

Mach uns mutig,

den Mund zu öffnen,

Gerechtigkeit zu fordern,

Frieden zu leben.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe.

Auf Erden. Wie im Himmel.

Amen!

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