
Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe Hörerinnen und liebe Hörer,
in diesen Tagen sehen wir Bilder von Gewalt und Protest, von Schüssen und Trauer. In Minneapolis wurde eine Frau von einem ICE‑Beamten erschossen. Tausende Menschen gehen auf die Straße, rufen nach Gerechtigkeit und fühlen sich von ihren Rechten getrennt. Wie gehen wir als Christinnen und Christen, als Menschen, mit solchen Szenen um? Heute hören wir in Gottes Wort Antworten, die unser Herz richten und unseren Blick weiten wollen.
„Schafft Recht den Geringen im Volk, helft dem Elenden und Armen zum Recht, erlöst den Geringen und Armen, rettet ihn aus der Hand der Gottlosen.“
Psalm 82,3‑4 (LUT)
Dieser Ruf gilt uns heute in einer Welt, in der Gewalt und Machtfragen an den Nerven zehren. Psalm 82 fordert uns auf, uns nicht von Macht einschüchtern zu lassen, sondern uns für die zu erheben, die keine Stimme haben. Es ist ein rhetorischer Ruf an Gottes Volk: Gerechtigkeit soll unser Tun bestimmen, besonders dort, wo Leid und Ungerechtigkeit sichtbar werden.
Doch nicht nur Gerechtigkeit allein ist gefragt, sondern auch die Haltung unseres Herzens im Angesicht von Konflikt und Leid.
„Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9 (LUT)
Jesus selbst spricht von der Friedfertigkeit. Sie ist kein bloßes Abwarten oder Passivität, sondern ein bewusster Widerstand gegen die Gewalt, die in den Bildern unserer Zeit so präsent ist. Friedfertigkeit bedeutet, Brücken zu bauen, wo Mauern aufgebaut werden möchten; zuhören, wo Schreie der Wut laut sind; beten, wo der Mut zur Ohnmacht führt.

Vielleicht hast du die Videos gesehen, die zeigen, wie der Moment der Schüsse stattgefunden haben soll. Vielleicht hast du dich gefragt, wie es so weit kommen konnte und was Wahrheit und Gerechtigkeit hier bedeuten. In all dem dürfen wir wissen: Gott sieht jede Träne und hört jedes Gebet. Er vergisst nicht jene, die leiden oder um ihre Sicherheit bangen.
Doch wir sind auch herausgefordert, nicht nur zu urteilen, sondern zu handeln – mit Gottes Weisheit, die uns Kraft schenkt, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten. Inmitten von Protesten und Forderungen nach Gerechtigkeit lädt uns Gott ein, Frieden zu stiften. Nicht durch Gleichgültigkeit, sondern durch engagierte Fürbitte und praktisches Handeln im Sinne der Nächstenliebe.

Jesus ruft uns zu, nicht nur Zuschauer in einer Welt der Berichterstattung zu sein, sondern Menschen, die Sein Licht in die Dunkelheit tragen. Das bedeutet nicht, Ursachen zu verharmlosen, sondern Verantwortung für echten Wandel und echte Gerechtigkeit zu übernehmen.
Herr, wir bringen dir die Situationen, die uns beklemmen und verwirren.
Schenk uns Mut, für Gerechtigkeit einzutreten und auf Frieden zu bauen.
Lehre uns, unsere Herzen in Liebe zu halten und Hass nicht weiterzutragen.
Gib uns Weisheit, Entscheidungen mit Deiner Güte zu treffen.
Und stärke uns in dem Glauben, dass Du bei den Schwachen bist.
Amen!
