
Guten Morgen! Schön, dass du heute dabei bist – ganz gleich, ob du dich als Christ bezeichnest, auf der Suche bist oder mit Glauben eher fremdelst. Heute geht es um etwas, das unbequem ist: Christen können sich irren. Und es gibt Menschen, die sich Christen nennen – aber Ziele verfolgen, die mit Jesus wenig zu tun haben.
Jesus selbst verschweigt das nicht. Er sagt:
„Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind.“
Matthäus 7,15
Das heißt: Nicht alles, was fromm klingt, ist von Gott. Nicht jede religiöse Stimme spricht im Sinne Jesu. Entscheidend ist die Frucht. Was wächst daraus? Liebe? Geduld? Barmherzigkeit? Oder Angst, Härte und Abwertung?
Paulus wird noch deutlicher:
„Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi.“
2. Korinther 11,13
Und er spricht sogar von Menschen innerhalb der Gemeinde:
„…wegen der falschen Brüder, die sich eingeschlichen hatten…“
Galater 2,4
Das ist keine Randnotiz. Das Problem entsteht mitten unter denen, die sich auf Jesus berufen. Menschen können Bibelverse zitieren – und dennoch Macht sichern, Angst schüren oder politische Ziele verfolgen. Auch Petrus warnt:
„Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden…“
2. Petrus 2,1
Und Jesus sagt über die Zukunft:
„Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“
Matthäus 24,5 (LUT)
Verführung geschieht nicht nur draußen. Sie geschieht auch im Inneren. Darum ist es so wichtig, dass du prüfst. Nicht misstrauisch gegen alles. Aber wach. Miss Aussagen am Wesen Jesu. Schau dir an, wie er mit Menschen umgegangen ist.
Er berührte Aussätzige. Er sprach mit einer Samariterin – einer Frau aus einer verachteten Volksgruppe, die zudem durch ihre Lebensgeschichte gesellschaftlich am Rand stand. Und er erzählte ein Gleichnis, in dem ausgerechnet ein Samariter, also ein religiös und kulturell Ausgegrenzter, zum Vorbild wird, während angesehene Fromme vorbeigehen. Jesus hat Menschen nie auf ihre Herkunft, ihre Vergangenheit oder ihr Ansehen reduziert – er sah ihr Herz.

Und jetzt wird es konkret. Wie redest du über Flüchtlinge und Asylbewerber? Wie hörst du zu, wenn andere hart urteilen? Manche berufen sich auf „christliche Werte“ und meinen damit Abgrenzung. Aber was sagt die Bibel?
„Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.“
3. Mose 19,33
Und Jesus selbst sagt:
„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“
Matthäus 25,35

Das heißt nicht, dass politische Fragen einfach wären. Staaten brauchen Regeln. Entscheidungen sind komplex. Aber für dich als Nachfolger Jesu bleibt die persönliche Haltung entscheidend: Siehst du im Fremden zuerst eine Bedrohung – oder einen Menschen mit einer Geschichte?
Liebe heißt nicht, alles gutzuheißen. Liebe heißt, Würde zu achten. Liebe heißt, nicht pauschal abzuwerten. Liebe heißt, konkret zu helfen, wo du helfen kannst. Vielleicht durch ein Gespräch, durch Unterstützung, durch Respekt in deiner Sprache.
Wenn im Namen Jesu Menschen entwürdigt werden, wenn Hass religiös bemalt wird, dann stimmt etwas nicht. Dann ist es deine Aufgabe, hinzusehen. Zu prüfen. Und gegebenenfalls auch zu widersprechen.
Aber vergiss dabei nicht: Auch du kannst dich irren. Auch ich kann mich irren. Darum brauchen wir Demut. Prüfen heißt nicht, sich selbst zum Richter über alle zu machen. Prüfen heißt, sich selbst immer wieder am Wort Gottes auszurichten.
Die Stimme Jesu erkennst du daran, dass Wahrheit und Liebe zusammenkommen. Er verschweigt Sünde nicht. Aber er behandelt Menschen nie ohne Würde. Er spricht klar – und bleibt barmherzig.

Vielleicht ist heute ein guter Moment, dich zu fragen: Wo habe ich vorschnell geurteilt? Wo habe ich Schlagworte übernommen, ohne sie am Evangelium zu messen? Und wo fordert mich Jesus heraus, großzügiger zu lieben?
Prüfe alles. Halte dich an Christus. Und liebe – auch dort, wo es unbequem wird.
Herr Jesus Christus,
bewahre mich vor Täuschung und vor Stolz.
Schenke mir Klarheit im Denken und Weite im Herzen.
Zeige mir, wo ich mich irre.
Lehre mich, Menschen mit deinen Augen zu sehen.
Mach mich wahrhaftig und barmherzig zugleich.
Amen!
