889 – Der Mut der Weißen Rose

889 – Der Mut der Weißen Rose

Leere Aula einer deutschen Universität_mit Flugblättern, Sora, prompted by ChatGPT
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,

heute ist der 18. Februar. Ein Datum, das in unserer Geschichte nicht laut daherkommt – und doch von einer Kraft ist, die bis heute nachhallt. Am 18. Februar 1943 wurden Hans Scholl und Sophie Scholl in der Münchner Universität verhaftet. Sie hatten Flugblätter der Widerstandsgruppe Weiße Rose ausgelegt – Worte gegen ein verbrecherisches Regime. Worte für die Würde des Menschen.

Sie wussten, was sie riskierten. Und sie handelten dennoch.

Mut ist kein Gefühl. Mut ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die manchmal alles kostet.

In der Bibel lesen wir:

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Apostelgeschichte 5,29

Diese Worte sprechen die Apostel vor dem Hohen Rat. Ihnen wird verboten, von Jesus zu reden. Die religiöse und politische Führung will Ruhe. Anpassung. Schweigen. Doch Petrus und die anderen können nicht schweigen. Sie wissen: Es gibt eine Grenze. Wenn menschliche Autorität Gottes Gebot widerspricht, ist Gehorsam gegenüber Gott wichtiger.

Auch die Geschwister Scholl begründeten ihr Handeln mit ihrem Gewissen. In den erhaltenen Verhörprotokollen der Gestapo – heute unter anderem im Institut für Zeitgeschichte München dokumentiert – wird deutlich, dass Sophie Scholl ihre Beteiligung nicht leugnete, sondern sie als moralisch geboten darstellte. Sie erklärte sinngemäß, sie habe getan, was sie für richtig halte. Die Berufung auf das eigene Gewissen ist dort klar erkennbar.

Es gab auch Widerstand aus der Jugend gegen die Diktatur, Sora, prompted by ChatGPT
Es gab auch Widerstand aus der Jugend gegen die Diktatur, Sora, prompted by ChatGPT

Zugleich zeigen Briefe aus dem Gefängnis, besonders von Sophie Scholl, eine intensive Auseinandersetzung mit Gott, Verantwortung und Schuld. Auch die Flugblätter der Weißen Rose enthalten ausdrückliche Bezüge auf christliche Ethik und die Verantwortung vor Gott. Der Widerstand der Gruppe war somit nicht kirchlich organisiert, aber er war erkennbar von christlichem Denken und persönlicher Glaubensüberzeugung geprägt.

Der oft zitierte Ausruf Hans Scholls „Es lebe die Freiheit!“ vor seiner Hinrichtung am 22. Februar 1943 gilt als historisch sehr wahrscheinlich. Er ist durch spätere Zeugenaussagen überliefert, jedoch nicht in einem amtlichen Hinrichtungsprotokoll stenografisch festgehalten. In der Forschung wird er dennoch als authentische Überlieferung angesehen.

Freiheit ist kein selbstverständlicher Zustand. Freiheit braucht Menschen, die sie schützen. Und sie beginnt im Inneren.

Jesus sagt:

„Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.“
Matthäus 5,14

Licht fällt auf. Licht macht sichtbar. Licht stört manchmal – besonders dort, wo Dunkelheit bequem geworden ist.

Die Flugblätter der Weißen Rose waren solches Licht. Sie riefen zum Denken auf. Zum Widerstand gegen Unrecht. Sie erinnerten an Gott als höchste Instanz über jeden Staat. Das war gefährlich. Und doch war es notwendig.

Ein Flugblatt kann viel sagen, Sora, prompted by ChatGPT

Wir leben heute in anderen Zeiten. Niemand von uns wird wahrscheinlich Flugblätter gegen eine Diktatur verteilen müssen. Und doch kennen wir Situationen, in denen Schweigen einfacher wäre. Wenn am Arbeitsplatz gelästert wird. Wenn in der Schule jemand ausgegrenzt wird. Wenn im Freundeskreis menschenverachtende Witze fallen. Wenn in sozialen Medien Hass geteilt wird.

Mut beginnt im Kleinen. Ein Satz: „Das finde ich nicht in Ordnung.“ Ein Schritt auf jemanden zu. Eine klare Haltung, auch wenn andere die Augen verdrehen.

Vielleicht kostet uns das Sympathie. Vielleicht Anerkennung. Vielleicht Bequemlichkeit. Aber es bewahrt Würde – unsere eigene und die der anderen.

Der Prophet Micha bringt es auf den Punkt:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
Micha 6,8

Gottes Wort halten. Liebe üben. Demütig sein. Das klingt unspektakulär – und ist doch revolutionär. Es bedeutet, sich nicht vom Strom treiben zu lassen. Es bedeutet, die eigene Bequemlichkeit zu hinterfragen. Es bedeutet, Gott mehr zuzutrauen als der Angst.

Hans und Sophie Scholl waren keine übermenschlichen Helden. Sie waren junge Menschen mit Zweifeln, Hoffnungen, Träumen. Gerade das macht ihren Mut so eindrucksvoll. Er war nicht laut, nicht aggressiv, nicht hasserfüllt. Er war klar. Gewissensgeleitet. Und getragen von der Überzeugung, dass Wahrheit wichtiger ist als Sicherheit.

Licht fällt auf, Sora, prompted by ChatGPT
Licht fällt auf, Sora, prompted by ChatGPT

Heute, am 18. Februar, können wir uns fragen: Wo ruft Gott mich dazu auf, nicht wegzusehen? Wo darf ich Licht sein? Wo ist es dran, nicht aus Trotz, sondern aus Liebe zur Wahrheit den Mund aufzumachen?

Christlicher Glaube ist keine private Wellnesszone. Er hat Konsequenzen. Er prägt Haltung. Er schenkt Rückgrat – nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Gewissheit: Mein Leben liegt in Gottes Hand.

Und vielleicht beginnt Mut genau dort: in der stillen Entscheidung, Gott zu vertrauen – mehr als der eigenen Angst.

Herr, du Gott der Wahrheit,

du kennst unsere Angst und unsere Unsicherheit.

Schenke uns ein waches Gewissen

und den Mut, für das Gute einzustehen.

Bewahre uns vor Gleichgültigkeit.

Führe uns in deiner Wahrheit.

Amen!

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