701 – Wenn der Himmel flackert

701 – Wenn der Himmel flackert

Seid herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser!

In der letzten Nacht – viele von euch haben es vielleicht selbst erlebt – war der Himmel in Bewegung. Meteore zogen ihre hellen Spuren über das dunkle Firmament. Die Perseiden waren in ihrem Höhepunkt. Und auch wenn der Mond uns einiges an Sicht nahm – einige Lichtblitze aus der Ferne konnten wir dennoch sehen. Kurz. Flüchtig. Und doch tief bewegend. Solche Nächte bringen nicht nur Menschen zum Staunen. Sie bringen uns zum Denken, zum Fühlen – vielleicht sogar zum Beten.

In diesen Himmelserscheinungen liegt eine merkwürdige Kraft. Sie erinnern uns an unsere Kleinheit – und an Gottes Größe. An unsere Vergänglichkeit – und an seine Ewigkeit. An unsere Sehnsucht – und an seine Antwort.

„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“
Psalm 19,2

Perseiden über dem See, Sora, prompted by ChatGPT
Perseiden über dem See, Sora, prompted by ChatGPT

Ein Satz, der wie gemacht ist für so eine Nacht wie gestern. Die Himmel sprechen – ohne Worte. Sie erzählen – ohne Stimme. Und doch hören wir es. Wenn wir es denn hören wollen. Wenn wir wach sind. Wenn wir nicht nur aufs Handy, sondern in den Himmel schauen. Wenn wir den Mut haben, uns berühren zu lassen.

Es ist ein seltsamer Moment: Da sitzt man nachts auf einer Bank, irgendwo draußen. Die Stadt ist stiller als sonst. Vielleicht hört man einen Fuchs, eine ferne Bahn, einen nächtlichen Radfahrer. Und dann: ein Streifen am Himmel. Wie eine Sternenträne. Oder ein göttlicher Pinselstrich auf dunklem Grund. Plötzlich ist da diese Gänsehaut. Und vielleicht sogar ein Gebet – ganz leise, ganz echt.

„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?“
Jesaja 40,26

Wer hat das alles gemacht? Diese Frage ist uralt – und heute aktueller denn je. In Zeiten, in denen wir Satelliten zählen, Marsmissionen planen und Teleskope ins All schicken. Und dennoch: Kein Mensch, keine KI, kein Algorithmus kann erklären, warum ein Meteor unser Herz berührt. Warum wir plötzlich still werden. Oder weinen. Oder staunen wie ein Kind.

Sommersnacht im Park, Sora, prompted by ChatGPT
Sommersnacht im Park, Sora, prompted by ChatGPT

Ich habe kürzlich von einer Frau gelesen, die mit ihrer Tochter nachts draußen war, um die Perseiden zu sehen. Sie hatten eine Decke, Thermoskanne, Schokolade. Die Tochter – sie war 14 – fragte plötzlich: „Mama, meinst du, Gott guckt auch gerade?“ Die Mutter sagte nur: „Ich glaube, er hat das hier für uns gemacht.“ Später schrieb sie in einem Blog: „Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so einfach, so sicher geglaubt wie in diesem Moment.“

Natürlich: Die Wissenschaft sagt uns, dass die Perseiden Staubteilchen des Kometen Swift-Tuttle sind, die mit hoher Geschwindigkeit in unsere Atmosphäre eintreten. Physikalisch korrekt. Aber geistlich? Da steckt viel mehr drin. Vielleicht sind es Gottes Zeichen. Kleine Lichtblitze seiner Nähe. Erinnerungen, dass wir nicht allein sind. Dass es mehr gibt als Termine, Sorgen und To-Do-Listen.

„Denn was von Gott nicht gesehen werden kann – seine ewige Macht und Gottheit –, das wird seit Erschaffung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.“
Römer 1,20

Der Himmel erzählt. Die Welt erzählt. Und auch dein Leben erzählt. Vielleicht hast du manchmal das Gefühl, dass alles zu schnell geht, zu laut ist oder du gar nicht mehr richtig atmest. Aber dann kommt so ein Moment. Ein Streifen am Himmel. Ein Atemzug Pause. Eine Nacht mit Sternenregen. Und du weißt: Es ist jemand da. Einer, der dich kennt. Einer, der dich sieht. Einer, der will, dass du siehst.

Vielleicht ist das der wichtigste Impuls dieser Andacht: Werde wieder jemand, der hinsieht. Der hinhört. Der sich berühren lässt. Der staunt. Und betet. Denn wo wir staunen, beginnt der Glaube. Nicht mit Beweisen. Nicht mit Argumenten. Sondern mit diesem ehrlichen, offenen: „Wow…“

Auch Jesus selbst war oft draußen, allein unter dem Himmel. Zum Beten. Zum Reden mit seinem Vater. Vielleicht hat auch er in klaren Nächten die Sternschnuppen gesehen. Vielleicht hat auch er gestaunt. Vielleicht hat er dann für dich gebetet – lange bevor du geboren warst.

„Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“
Lukas 22,32

Gott will, dass du glaubst. Dass du vertraust. Nicht blind – sondern mit offenen Augen. Nicht naiv – sondern mit offenem Herzen. Er schickt dir seine Zeichen. Und manchmal sind sie flüchtig. Wie Meteore. Und doch: unübersehbar für den, der hinschaut.

Sternschnuppe über der Stadt, Sora, prompted by ChatGPT
Sternschnuppe über der Stadt, Sora, prompted by ChatGPT

So wünsche ich dir eine Haltung des Staunens. Eine Haltung der Wachheit. Und eine Haltung des Dankes. Für jede Sternschnuppe. Für jedes Flackern am Himmel. Für Gottes Nähe – mitten in der Nacht.


Guter Gott, danke für deine Zeichen.

Für jeden flüchtigen Moment, der uns an deine Ewigkeit erinnert.

Schenke uns offene Augen, wache Herzen und die Sehnsucht, dich zu entdecken – auch wenn du dich manchmal nur für eine Sekunde zeigst.

Lass uns glauben – und staunen.

Amen!


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