887 – Was du denkst, wenn du „die anderen“ sagst

887 – Was du denkst, wenn du „die anderen“ sagst

Vater und Tochter vor einem Autogeschäft, Sora, prompted by ChatGPT
Vater und Tochter vor einem Autogeschäft, Sora, prompted by ChatGPT

Guten Morgen, du. Vielleicht liest du diese Zeilen noch im Halbschlaf. Vielleicht bist du schon unterwegs. Vielleicht brauchst du gerade einen klaren Gedanken für diesen Tag. Dann lass uns gemeinsam auf eine kleine Szene schauen, die größer ist, als sie zuerst wirkt.

Ein Vater steht mit seiner Tochter zusammen. Die Tochter fragt ganz unbefangen: „Warum kaufen wir keinen BMW?“ Und der Vater antwortet: „Weil nur Türken und Russen BMW fahren.“ Ein Satz. Schnell gesagt. Vielleicht halb im Spaß gemeint. Und doch steckt darin so viel. Ein ganzes Weltbild in wenigen Worten. Eine Schublade. Ein Urteil. Eine unsichtbare Grenze zwischen „wir“ und „die“. Diese Geschichte hat mir Michael Voß, Herausgeber von KI-Andacht.de, erzählt, nachdem er sie gestern in Leipzig selbst so erlebt hat.

Kinder kommen nicht mit Vorurteilen zur Welt. Sie lernen sie. Sie hören sie nebenbei, zwischen Alltagssätzen, in beiläufigen Bemerkungen. Und sie übernehmen sie – oft, ohne sie zu hinterfragen.

Die Bibel ist an dieser Stelle erstaunlich klar.

„Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.“
Römer 2,11

Kein Ansehen der Person. Gott sortiert nicht nach Herkunft. Nicht nach Akzent. Nicht nach Marke. Nicht nach Image. Er sieht den Menschen. Er sieht das Herz.

Du und ich – wir sind da anders. Wir denken schnell in Kategorien. „Die sind so.“ „Mit denen will ich nichts zu tun haben.“ Und plötzlich ist aus einem Menschen eine Schublade geworden.

Jesus hat solche Denkmuster immer wieder durchbrochen. Er erzählte die Geschichte von einem Mann, der unter die Räuber fiel. Religiöse Menschen gingen vorbei. Einer half – ausgerechnet ein Fremder.

Der Samariter hilft - damals aufgrund von Vorurteilen ungewöhlich, Sora, prompted by ChatGPT
Der Samariter hilft – damals aufgrund von Vorurteilen ungewöhlich, Sora, prompted by ChatGPT

„Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn.“
Lukas 10,33

Ein Samariter. Damals jemand, über den man abfällig sprach. Einer, mit dem man nichts zu tun haben wollte. Und genau dieser wird zum Vorbild.

Vielleicht hätte man damals auch gesagt: „So sind die eben.“ Doch Jesus stellt alles auf den Kopf. Der Nächste ist nicht der, der dir ähnelt. Der Nächste ist der, der dir begegnet.

Der Satz über ein Auto wirkt harmlos. Aber er zeigt, wie schnell du Zugehörigkeit an Äußerlichkeiten festmachst. Auto, Kleidung, Stadtteil, Nationalität. Und wie leicht du dich selbst auf die „richtige“ Seite stellst.

Doch was passiert im Herzen eines Kindes, wenn es so etwas hört? Vielleicht wächst dort leise die Überzeugung: „Wir sind besser.“ Oder: „Mit denen möchte ich nichts zu tun haben.“ Und aus kleinen Sätzen werden große Mauern.

Die Geschichte unserer Welt zeigt, wohin solche Mauern führen können. Aus Worten werden Haltungen. Aus Haltungen werden Entscheidungen. Und manchmal aus Entscheidungen großes Leid.

Paulus schreibt:

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“
Galater 3,28

Das war damals revolutionär. Und es ist es bis heute. Deine Identität gründet nicht in Abgrenzung, sondern in Zugehörigkeit. Nicht in Überlegenheit, sondern in Gnade.

Vielleicht ist die entscheidende Frage heute nicht: „Wer fährt welches Auto?“ Sondern: „Wie rede ich über Menschen, wenn andere mich hören?“

Welche Sätze sagst du am Küchentisch? Bei welchen Witzen lachst du mit? Welche Bilder gibst du weiter? Du bist Vorbild – ob du willst oder nicht.

Gespräch über Vorurteile, Sora, prompted by ChatGPT
Gespräch über Vorurteile, Sora, prompted by ChatGPT

Christlicher Glaube beginnt nicht im Kirchenraum. Er beginnt in deinen Gedanken. In deiner Sprache. In deinem Blick auf Menschen, die anders sind als du.

Jesus selbst war Fremder. Geboren am Rand der Gesellschaft. Aufgewachsen in einem Dorf ohne Bedeutung. Am Ende verurteilt wie ein Verbrecher. Und doch ist er der, der uns zeigt, wie echtes Menschsein aussieht.

Heute darfst du dich prüfen lassen – nicht um dich kleinzumachen, sondern um frei zu werden. Frei von schnellen Urteilen. Frei von stiller Überheblichkeit. Frei für echte Begegnung.

Vielleicht beginnt Veränderung mit einem einfachen Satz: „Ich will anders reden.“ Vielleicht beginnt sie damit, dass du jemanden neu ansiehst. Nicht als Vertreter einer Gruppe. Sondern als Mensch, den Gott liebt.

Unterwegs in der City, Sora, prompted by ChatGPT
Unterwegs in der City, Sora, prompted by ChatGPT

Lass uns diesen Tag nutzen. Nicht um uns über andere zu stellen. Sondern um Brücken im Herzen zu bauen – durch Respekt, durch Offenheit, durch Liebe.

Herr, öffne mir die Augen für den Menschen hinter meinen Vorurteilen.

Reinige meine Gedanken und meine Worte.

Lass mich sehen, wie du siehst.

Schenke mir ein Herz, das nicht trennt, sondern verbindet.

Amen!

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