894 – Klar im Herzen, mild im Ton

894 – Klar im Herzen, mild im Ton

Generationsübergreifende Diskussion, Sora, promptd by ChatGPT
Generationsübergreifende Diskussion, Sora, promptd by ChatGPT

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,

wer in diesen Tagen Nachrichten verfolgt oder Gespräche am Arbeitsplatz, in der Familie oder online führt, merkt schnell: Der Ton ist rauer geworden. Meinungen prallen hart aufeinander. Fronten verhärten sich. Man spricht nicht nur über Sachfragen – man bewertet Menschen. Und nicht selten geht dabei etwas verloren, das für unser Zusammenleben unverzichtbar ist: Achtung.

Als Christinnen und Christen – und ebenso als Menschen guten Willens – stehen wir mitten in dieser Gesellschaft. Wir haben Überzeugungen. Wir dürfen Haltung zeigen. Doch die Frage ist: Wie tun wir das? Mit welcher inneren Haltung sprechen wir? Und was prägt unser Herz?

Bergpredigt mit Jesus und Zuhörern, Sora, prompted by ChatGPT

Jesus sagt:

„Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9

Friedfertig sein bedeutet nicht, konfliktscheu zu sein. Es heißt auch nicht, alles gutzuheißen. Friedfertig sein heißt, aktiv Frieden zu suchen. Nicht auf Kosten der Wahrheit – sondern in der Art und Weise, wie wir sie vertreten. Es geht um eine innere Klarheit, die sich nicht in Lautstärke beweisen muss.

Zwei Menschen, die sich nach langer Diskussion die Hand reichen , Sora, promptd by ChatGPT
Zwei Menschen, die sich nach langer Diskussion die Hand reichen , Sora, promptd by ChatGPT

Der Apostel Paulus schreibt:

„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“
Römer 12,18

„Soviel an euch liegt.“ Dieser kleine Zusatz ist bemerkenswert. Paulus weiß: Wir haben nicht alles in der Hand. Wir können nicht jede Beziehung retten, nicht jede Debatte versöhnen. Aber wir tragen Verantwortung für unseren Teil. Für unsere Worte. Für unseren Ton. Für unsere Reaktionen.

Verantwortung füreinander beginnt nicht im Bundestag oder auf internationalen Gipfeltreffen. Sie beginnt am Küchentisch. Im Kommentar unter einem Artikel. In der Art, wie ich über Menschen rede, die anders denken als ich.

Dietrich Bonhoeffer schrieb 1934 in einer Predigt über Frieden:

„Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das große Wagnis.“
Dietrich Bonhoeffer, Predigt in London, 13. Mai 1934, in: Dietrich Bonhoeffer Werke, DBW 13, S. 296. Dokumentiert u.a.

Bonhoeffer spricht vom „Wagnis“. Frieden entsteht nicht automatisch. Er braucht Menschen, die ihn wagen – die nicht nur reagieren, sondern bewusst anders handeln. Das gilt im Großen wie im Kleinen.

Unsere Situation ist eine andere als die Bonhoeffers. Und doch stehen auch wir in der Spannung zwischen Klarheit und Liebe. Zwischen Meinung und Mitgefühl. Zwischen Standpunkt und Respekt.

Jakobus bringt es nüchtern auf den Punkt:

„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“
Jakobus 1,19

Schnell zum Hören. Das fällt schwer. Wer hört, setzt sich der Möglichkeit aus, dass der andere recht haben könnte – oder zumindest gute Gründe hat. Hören ist ein Akt der Wertschätzung. Es bedeutet: Du bist mehr als deine Meinung.

Langsam zum Reden. Vielleicht würde sich manches entspannen, wenn wir einen Moment länger schweigen würden. Wenn wir beten, bevor wir posten. Wenn wir fragen, bevor wir urteilen.

Jede Antwort sollte überlegt sein, Sora, promptd by ChatGPT
Jede Antwort sollte überlegt sein, Sora, promptd by ChatGPT

Langsam zum Zorn. Zorn kann ein Hinweis auf Ungerechtigkeit sein. Aber er darf nicht unser Steuermann werden. Christus selbst war klar in der Sache – doch er begegnete Menschen mit Würde. Selbst seinen Gegnern.

Verantwortung füreinander heißt: Ich lasse nicht zu, dass der andere für mich zum Feindbild wird. Ich sehe in ihm einen Menschen – geschaffen nach Gottes Bild. Mit Ängsten, Hoffnungen, Biografie.

Vielleicht beginnt Frieden heute damit, dass wir einem Menschen zuhören, dem wir sonst ausweichen würden. Vielleicht beginnt er damit, dass wir einen scharfen Satz zurückhalten. Vielleicht auch damit, dass wir uns selbst prüfen lassen: Ist mein Herz noch weich? Oder bin ich innerlich verhärtet?

Gott lädt uns ein, Botschafter seines Friedens zu sein. Nicht angepasst. Nicht beliebig. Sondern verwurzelt in seiner Liebe. Klar im Herzen, mild im Ton.

Lasst uns heute Verantwortung übernehmen – für das Klima in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unseren digitalen Räumen. Frieden wächst dort, wo Menschen sich von Gott verändern lassen.

Herr,

bewahre mein Herz vor Härte.

Gib mir Klarheit in meinen Überzeugungen

und Sanftmut in meinen Worten.

Lehre mich zu hören,

bevor ich rede.

Lehre mich zu lieben,

wenn ich widerspreche.

Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.

Amen!

Translate
Consent Management Platform von Real Cookie Banner