
Schön, dass du heute kurz innehältst.
Du bekommst eine Nachricht: Jemand hat den Job bekommen, den du gern hättest. Ein Freund erzählt vom Hauskauf. Andere posten Urlaubsbilder, feiern Erfolge oder scheinen ihr Leben erstaunlich gut im Griff zu haben.
Und plötzlich schaust du nicht mehr auf dein Leben. Du schaust auf ihres.
Das passiert sogar Petrus.
Nach seiner Auferstehung spricht Jesus mit ihm über seinen weiteren Weg. Es ist ein sehr persönliches Gespräch. Doch dann dreht Petrus sich um und sieht Johannes, einen anderen Jünger. Sofort will er wissen: Und was ist mit ihm?
„Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?“
Johannes 21,21

Die Frage ist erstaunlich menschlich.
Jesus, wenn mein Weg so aussieht – wie sieht dann seiner aus? Muss er auch durch Schweres? Bekommt er es leichter? Was hast du mit ihm vor?
Jesus antwortet ungewöhnlich deutlich:
„Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“
Johannes 21,22
„Was geht es dich an?“
Das klingt zunächst hart. Aber Jesus weist Petrus nicht ab. Er richtet seinen Blick neu aus.
Schau nicht ständig auf den Weg des anderen. Geh deinen Weg mit mir.
Vergleichen gehört wahrscheinlich zu den ältesten menschlichen Gewohnheiten. Heute tragen wir allerdings ein ziemlich leistungsfähiges Vergleichsgerät ständig bei uns. Ein paar Bewegungen mit dem Finger genügen, und wir sehen Menschen, die erfolgreicher, sportlicher, glücklicher, beliebter oder scheinbar gesegneter sind.

Dabei vergleichen wir oft unser ganzes, unaufgeräumtes Leben mit ausgewählten Momenten anderer Menschen.
Doch Vergleiche brauchen kein Smartphone.
Sie entstehen auch beim Familientreffen, im Büro, unter Freunden oder in der Gemeinde. Warum ist sie schon so weit? Warum kann er das besser? Warum scheint Gott bei anderen Türen zu öffnen, während ich immer noch davorstehe?
Selbst im Glauben kann das passieren.
Der eine erzählt begeistert, wie deutlich er Gottes Führung erlebt. Eine andere betet scheinbar mit einer Sicherheit, die du nicht kennst. Und plötzlich fragst du dich nicht mehr, wohin Jesus dich führt, sondern warum dein Glaube nicht aussieht wie der eines anderen.
Jesus sagt zu Petrus nicht: Johannes ist unwichtig.
Er sagt sinngemäß: Johannes hat seinen Weg mit mir. Du hast deinen.
„Folge du mir nach.“
Dieses kleine „du“ verändert den Blick.
Du musst nicht das Leben eines anderen führen. Du musst nicht dieselben Erfolge vorweisen. Dein Tempo muss nicht das Tempo eines anderen sein. Und Gottes Weg mit einem anderen Menschen ist kein Maßstab dafür, wie wertvoll dein eigener Weg ist.
Vielleicht gibt es jemanden, auf den du momentan besonders häufig schaust.
Dann könnte Jesu Satz heute befreiend sein:
Lass den anderen seinen Weg gehen.
Und du geh deinen mit mir.

Jesus Christus, ich verliere meinen eigenen Weg so leicht aus den Augen.
Ich sehe, was andere erreicht haben, was sie besitzen, was ihnen gelingt, und plötzlich erscheint mir mein eigenes Leben zu klein.
Befreie mich von dem Druck, mich ständig vergleichen zu müssen.
Bewahre mich vor Neid, aber auch vor dem Wunsch, mich über andere zu stellen.
Hilf mir, mich ehrlich mit anderen zu freuen, ohne ihren Weg zu meinem Maßstab zu machen.
Jesus, richte meinen Blick wieder auf dich.
Wenn ich wissen will, warum ein anderer weiter ist, erfolgreicher wirkt oder scheinbar leichter durchs Leben geht, erinnere mich an deine Worte: Folge du mir nach.
Zeig mir den nächsten Schritt auf meinem Weg.
Nicht den Weg, den andere von mir erwarten.
Nicht den Weg, der besonders beeindruckend aussieht.
Sondern den Weg, den ich mit dir gehen soll.
Und wenn ich wieder nach rechts und links schaue, hol meinen Blick zurück zu dir.
Ich möchte nicht das Leben eines anderen leben.
Ich möchte dir folgen – auf meinem Weg, in meinem Tempo und im Vertrauen darauf, dass du mich kennst.
Amen.
