Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörer und Hörerinnen,
heute hören wir von einem Menschen, der nicht zurückschreckt, obwohl alles gegen ihn steht. Stephanus – eben noch frisch eingesetzt, von allen anerkannt, mitten im Dienst für die Menschen – wird plötzlich zum Ziel von Verdächtigungen, Lügen und religiösem Zorn. Die Szene ist brisant, sie erinnert fast an ein Gerichtsdrama. Und sie zeigt: Christlicher Glaube ist nie bequem – aber voller Kraft.
Kaum hat Stephanus angefangen, öffentlich aufzutreten, begegnet ihm Widerstand. Nicht, weil er Unruhe stiftet, sondern weil durch ihn etwas geschieht, das Menschen verunsichert – Zeichen, Wunder, klare Worte. Manche fühlen sich provoziert. Und dann passiert das, was leider auch heute oft geschieht: Statt sich auseinanderzusetzen, wird Stimmung gemacht.
„Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen einige auf von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und von denen aus Cilicien und Asia, und stritten mit Stephanus.“
Apostelgeschichte 6,8–9
Sie diskutieren – aber sie merken schnell, dass sie ihm argumentativ nicht beikommen. Und dann folgt ein Mechanismus, den wir viel zu gut kennen: Wenn man inhaltlich verliert, greift man zur Intrige. Zu Fake News, würden wir heute sagen.
„Und sie konnten der Weisheit und dem Geist, in dem er redete, nicht widerstehen. Da stifteten sie Männer an, die sagten: Wir haben gehört, dass er lästerliche Worte gegen Mose und gegen Gott gesagt habe.“
Apostelgeschichte 6,10–11

Plötzlich steht Stephanus vor dem Hohen Rat. Die religiöse Elite wird aufgescheucht. Es geht ihnen längst nicht mehr um Wahrheit – sondern um Macht und Deutungshoheit. Stephanus wird öffentlich vorgeführt. Man bringt falsche Zeugen. Der Vorwurf: Er wolle den Tempel abschaffen und das Gesetz ändern.
„Und sie stellten falsche Zeugen auf, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, zu reden gegen diesen heiligen Ort und das Gesetz.“
Apostelgeschichte 6,13
Und nun geschieht etwas Unerwartetes. Inmitten all der Aggression, der Lügen, der Spannungen – leuchtet etwas auf, das sich nicht so leicht erklären lässt. Die Menschen sehen Stephanus an. Und sie sehen etwas, das nicht von dieser Welt ist.
„Und alle, die im Hohen Rat saßen, blickten auf ihn und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.“
Apostelgeschichte 6,15
Ein Gesicht wie ein Engel – das heißt nicht: nett oder weich. Sondern durchdrungen von einer Kraft, die aus einer anderen Quelle kommt. Aus der Nähe zu Gott. Aus der Klarheit des Gewissens. Aus der Entschlossenheit, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Diese Geschichte konfrontiert uns mit einer Realität, die unbequem ist: Wer seinem Glauben treu bleibt, eckt manchmal an. Und es kann Situationen geben, in denen man allein dasteht. Oder ausgelacht wird. Oder – im schlimmsten Fall – verleumdet. Und dann stellt sich die Frage: Was trägt mich wirklich? Woran halte ich fest?
Stephanus macht etwas deutlich, das auch für uns heute gilt: Der Geist Gottes macht nicht passiv. Er macht mutig. Der Glaube ist keine Meinung, die man irgendwann flüsternd im Hinterzimmer äußert – sondern eine Haltung, die man lebt. Auch wenn es weh tut. Auch wenn andere die Stirn runzeln oder uns in eine Ecke stellen wollen.

Und das Überraschende ist: Gerade in diesen Momenten kann etwas sichtbar werden, das nicht aus uns kommt. Der Friede. Die Würde. Die innere Klarheit. Ein „Gesicht wie ein Engel“ eben. Hast du das schon erlebt? Bei Menschen, die sich nicht beugen – nicht weil sie stur sind, sondern weil sie wissen, wem sie gehören?
Wenn du heute in einer Situation steckst, in der du für deine Überzeugung einstehen musst – dann nimm dir Stephanus zum Vorbild. Nicht als Held im Rampenlicht, sondern als Mensch, durch den Gott wirkt. Leise. Deutlich. Und kraftvoll.
Gott, du stärkst die, die für das Gute einstehen – auch wenn es schwer wird.
Gib uns deinen Geist, der uns mutig macht.
Schenke uns ein Herz, das wahrhaftig ist, und ein Gesicht, das deinen Frieden widerspiegelt – mitten im Streit, mitten im Leben.
Amen!

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