Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer,
gestern war der Gedenktag der Cäcilia, die in der Kirchengeschichte oft als „Patronin der Musik“ bezeichnet wird. Wir als Evangelische verehren keine einzelnen Heiligen, denn wir glauben: Alle Menschen sind heilig, weil Gott sie geschaffen hat. Und trotzdem kann so ein historischer Tag ein Anlass sein, über Musik nachzudenken. Denn die alten Erzählungen sagen: Cäcilia habe bei ihrem Hochzeitsmahl „in ihrem Herzen für Gott gesungen“. Nicht, weil sie heilig gewesen wäre – sondern weil Musik sie getragen hat.
Dieser Gedanke ist uns nicht fremd. Musik begleitet uns in Gottesdiensten, in Küchen, im Auto, in Krankenhäusern, bei Festen und in stillen Momenten. Sie spricht oft schneller als Worte, und manchmal dringt sie genau dorthin vor, wo wir kaum noch Sprache haben.

Die Bibel ermutigt uns, Musik nicht einfach als Dekoration zu sehen:
„Lobet den HERRN mit Harfe; spielt ihm auf der Laute zehn Saiten!“
Psalm 33,2 LUT
Und ganz am Ende des Psalmbuches, als wollte der Text die Arme weit ausbreiten:
„Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!“
Psalm 150,6 LUT

Diese Spannweite – vom Instrument bis zum Atem – beschreibt genau das, was uns Musik im Glauben bedeutet: Sie ist Klang, Gebet, Atem, Gemeinschaft. Und sie gehört nicht Profis, sondern allen. Weil alle Menschen heilig sind und jede Stimme zählt.
Deshalb möchte ich heute ein neues Danklied mit Ihnen teilen, das für diese Andacht geschrieben wurde. In der Podcast-Fassung erklingt es an dieser Stelle vollständig. Hier lesen Sie den Text:
Danklied: „Dein Klang trägt mich“
Strophe 1:
Wenn meine Stimme bricht, bist Du doch da,
ein leiser Ton, so warm und wunderbar.
Du hebst mich auf, wenn ich nicht weiterkann,
und flüsterst mir: „Ich fang noch einmal an.“
Refrain:
Dein Klang trägt mich,
Du führst mich heim.
In Deinem Licht
darf ich ganz ich sein.
Du bist mein Lied,
mein Herz wird weit,
und Deine Nähe
singt in Ewigkeit.
Strophe 2:
Wenn Dunkelheit mir jede Kraft benimmt,
die Seele müde ist und kaum noch singt,
dann öffnest Du ein Fenster in der Nacht
und schenkst mir Trost, den nur Dein Frieden macht.
Bridge:
Und wenn wir steh’n,
gemeinsam vor Dir,
klingt unser Lob
durch alles in mir.
Ein Lied der Kraft,
ein Lied der Ruh,
es atmet Liebe,
und die bist Du.
Refrain (groß):
Dein Klang trägt mich …
Nach diesem Lied entsteht oft ein innerer Raum, der mehr ist als nur Stille. Manchmal spüren wir erst nach dem letzten Ton, wie viel Kraft in Musik steckt. Vielleicht liegt es daran, dass Gesang etwas verbindet, das wir sonst zu trennen versuchen: Herz, Kopf, Atem, Erinnerung, Sehnsucht. Und vielleicht ist das der Grund, warum Menschen schon seit Jahrhunderten – von Cäcilia bis heute – sagen: Wenn ich singe, dann bete ich.

Aus dieser offenen Stimmung heraus darf jetzt unser Gebet folgen. Im Podcast wird es musikalisch unterlegt sein. Hier lesen Sie den gesprochenen Text:
Gott, unser guter Begleiter,
wir danken Dir für die Klänge, die Du in unser Leben legst.
Für jedes Lied, das uns stärkt, und für jede Stimme, die Mut fasst.
Schenke uns offene Ohren, ein weites Herz und eine Stimme, die nicht verstummt.
Lass Deine Nähe hörbar werden – im Singen, im Schweigen, im Leben.
Amen!
