Liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer, ihr seid willkommen – ganz gleich, ob ihr glaubt, zweifelt oder einfach nur verstehen wollt.
Wörtliches Zitat (aus dem sozialen Netzwerk „Threads“):
„Wenn noch einmal ein Christ sagt Jesus ist für unsere Sünden gestorben, dann kriege ich nen Crashout. Es ergibt keinen Sinn. Erstens, warum muss dafür jemand sterben? Warum dann ein einziger Mensch? Eine Selbstlaufopferung war alles was es gebraucht hat? Verstehe den Zusammenhang auch gar nicht. Dass da vor 2000 Jahren einer durch Folter am Kreuz verreckt ist und ich kann jetzt sündigen? Das ergibt gar keinen Sinn. Konnte man ja davor auch.“
Starke Worte. Und genau die richtigen, um ehrlich zu fragen: Was meinen Christinnen und Christen überhaupt, wenn sie sagen: „Jesus ist für unsere Sünden gestorben“? Fünf kurze Leitfragen führen uns durch die Sache:
- 1) Was ist mit „Sünde“ gemeint?
- 2) Warum hat Schuld Schwere?
- 3) Warum spricht die Bibel von Tod und Blut?
- 4) Warum „ein Einziger“?
- 5) Wozu das alles – Freibrief oder Neuanfang?
Beginnen wir mit einem Zitat aus der Bibel:
„Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“
Römer 6,23
Die Bibel benutzt „Sünde“ nicht nur für grobe Vergehen, sondern für die tiefe Störung unserer Beziehung zu Gott, zu anderen und zu uns selbst. Diese Störung hat Folgen. Wer lügt, zerstört Vertrauen. Wer betrügt, macht andere ärmer. Wer hasst, lässt Beziehungen sterben. Schuld ist nie „nur privat“ – irgendwer zahlt den Preis. Die Bibel nennt das schonungslos: „Tod“ – Trennung, Zerbruch, Ende.
„Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.“
Hebräer 9,22
Damit ist nicht gemeint, Gott habe Lust am Leiden. Es heißt: Vergeben kostet. Wenn ich dir ernsthaft Unrecht tue, hast du zwei Möglichkeiten: Du forderst Ausgleich – oder du vergibst und trägst den Verlust selbst. Vergebung ist nie kostenlos. Sie verschiebt die Kosten vom Täter auf den, der vergibt. Das ist schmerzhaft – und genau da setzt das Kreuz an: Gott trägt den Schaden unserer Schuld selbst, anstatt ihn uns anzulasten.

„Er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leib auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“
1. Petrus 2,24
Jesu Tod ist keine „Selbstverletzung“ aus Verzweiflung. Es ist die freiwillige, bewusste Hingabe eines Unschuldigen aus Liebe. Er leidet nicht, weil Gott sadistisch wäre, sondern weil Gott liebt – so sehr, dass er selbst die Rechnung begleicht, die wir nicht bezahlen können.
„Doch er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen; die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Jesaja 53,5
Warum dann „ein Einziger“? Die Bibel denkt in Stellvertretung und Repräsentanz. So wie eine Kapitänin für ihr Team spricht oder ein Staatsoberhaupt für sein Land handelt, so handelt Christus als der wahre Repräsentant des Menschseins: ganz Gott, ganz Mensch. Er steht an unserer Stelle, damit Neues beginnen kann.
Noch einmal ein Blick in die Bibel:
„Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam viele zu Sündern geworden sind, so werden auch durch des einen Gehorsam viele zu Gerechten.“
Römer 5,19
„Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“
Markus 10,45
Wichtig: Christlicher Glaube sagt nicht, „Jetzt darf ich munter sündigen“. Das wäre, als ob jemand die riesige Schuldenlast eines Freundes übernimmt – und der geht danach erst recht einkaufen. Vergebung ist kein Freibrief, sondern Befreiung zu einem anderen Leben.
„Sollen wir in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“
Römer 6,1–2
Gnade verändert die Richtung. Wer erlebt, dass Gott die Last trägt, beginnt anders zu handeln – nicht aus Angst, sondern aus Dankbarkeit. Das meint die Bibel mit „neuem Leben“.
„Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“
Epheser 2,8–10
Darum ist das Kreuz keine theologische Rechenaufgabe, sondern Gottes konkrete Liebe. Der Punkt ist nicht, dass vor 2000 Jahren „einer verreckt“ ist, damit ich jetzt machen kann, was ich will. Der Punkt ist: Gott kommt uns so nah, dass er unsere dunkelsten Löcher betritt, unsere Schuld trägt und uns eine Zukunft schenkt, die größer ist als unsere Vergangenheit.
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“
Johannes 3,16–17

Wie wirkt das praktisch? Vergebung beendet Spiralen von Vergeltung. Stell dir eine Familie vor, in der über Jahre hartes Wort auf hartes Wort folgt. Irgendwann muss einer den Kreislauf stoppen, sonst zerbricht alles. Wer vergibt, trägt Kosten – aber genau dadurch entsteht Frieden. Am Kreuz stoppt Gott die Spirale zwischen Gott und Mensch: Er rechnet nicht ab, sondern rechnet an – seine Liebe.
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“
2. Korinther 5,19
„Den, der von keiner Sünde wusste, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“
2. Korinther 5,21
Noch etwas: Das Opfer Jesu ist „ein für alle Mal“. Kein ständiges Nachlegen, kein religiöses Hamsterrad. Das nimmt Druck raus und schenkt Gewissheit.
„Durch diesen Willen sind wir geheiligt auf einmal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.“
Hebräer 10,10
„Denn mit einem Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden.“
Hebräer 10,14
Und: Das Ziel ist nicht Schuldgefühl, sondern Freiheit. Nicht Verdammnis, sondern ein Leben aus Gottes Kraft.
„So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“
Römer 8,1
„Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“
1. Johannes 2,1–2
„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm leben in dieser Welt.“
Titus 2,11–12
Wenn dich die Formulierung „Jesus starb für unsere Sünden“ triggert, könnte dir ein anderer Satz helfen, der dasselbe meint: „Gott hat unsere Schuld auf sich genommen, damit wir frei werden.“ Das Kreuz ist Gottes Nein zur Schuld und Gottes Ja zu dir. Beides gleichzeitig. Strenger als jede Billigung, gnädiger als jede Ausrede.
Ein reales Beispiel für die Kraft der Vergebung: Nach dem Amoklauf in Nickel Mines (Pennsylvania, 2006) suchten Angehörige der Opfer noch am selben Tag die Familie des Täters auf, um zu vergeben. Diese Haltung wurde später dokumentiert und analysiert („Amish Grace: How Forgiveness Transcended Tragedy“, Donald B. Kraybill, Steven M. Nolt, David L. Weaver-Zercher, 2007). Das nimmt den Schmerz nicht weg, aber es zeigt, wie Vergebung tragfähig werden kann, wenn jemand den Preis trägt und die Spirale unterbricht. Am Kreuz tut Gott das im Großen.
„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“
Galater 2,20

Wenn du also sagst: „Das ergibt keinen Sinn“, dann ist das fair. Christinnen und Christen antworten: Sinn entsteht hier nicht durch eine Idee, sondern durch eine Person. Jesus zeigt, wie ernst Schuld ist – und wie viel mehr Gottes Liebe wiegt. Er stirbt, um die Trennung zu beenden. Er steht auf, um neues Leben zu eröffnen. Und er ruft uns nicht zum „Weiter so“, sondern in die Freiheit eines veränderten Lebens.
Herr Jesus Christus, du hast getragen, was wir nicht tragen konnten.
Du hast bezahlt, was wir nicht bezahlen konnten.
Zerbrich in uns die alten Muster von Schuld, Scham und Trotz.
Lehre uns, aus deiner Vergebung zu leben, anderen zu vergeben und mutig neu zu beginnen.
Stärke alle, die unter erlebtem Unrecht leiden, und gib uns ein Herz, das Wahrheit liebt und Frieden sucht.
Amen!
