858 – Wenn alles tot scheint

858 – Wenn alles tot scheint

Jerusalem in Trümmern, Sora, prompted by ChatGPT
Jerusalem in Trümmern, Sora, prompted by ChatGPT

Seid herzlich gegrüßt, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer!

Gestern haben wir vom Untergang des Nordreichs Israel gehört – einem dramatischen Wendepunkt in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Heute geht die Geschichte weiter. Doch sie wird nicht leichter. Denn nun trifft es auch das Südreich Juda.

Jerusalem wird zerstört, der Tempel niedergebrannt, die Oberschicht ins Exil nach Babylon verschleppt. Was Israel passiert ist, geschieht jetzt auch Juda – die letzte Bastion des Glaubens scheint gefallen. Es sind nicht Gottes Hände, die das Feuer legen. Es sind die Babylonier, die Feinde, die angreifen. Aber Gott hat es zugelassen – nicht aus Hass, sondern weil sein Volk nicht mehr hören wollte. Was bleibt, wenn selbst Gottes Stadt in Trümmern liegt?

„Und sie brannten das Haus des HERRN nieder und das Haus des Königs und alle Häuser in Jerusalem; alle großen Häuser verbrannten sie mit Feuer.“
2. Könige 25,9

Mit dieser einen Tat wirkt es, als sei alles vorbei. Kein Tempel mehr. Kein König. Kein Land. Kein Zeichen von Gottes Nähe. Das babylonische Exil beginnt – ein Bruch, den sich kaum jemand vorstellen konnte. Viele Judäer verlieren ihren Glauben. Manche beginnen, sich anzupassen. Andere halten fest an dem, was war. Doch da – mitten im fremden Land – spricht Gott neu. Nicht mit Feuer vom Himmel. Sondern in einer Vision. Durch den Propheten Ezechiel, der selbst im Exil lebt.

„Die Hand des HERRN kam über mich, und der HERR führte mich hinaus im Geist und stellte mich mitten auf ein weites Feld; das war voller Totengebeine. […] Da sprach er zu mir: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Und ich sprach: Herr, HERR, du weißt es.“
Hesekiel 37,1–3

Ezechiel hört in Mitten einer toten Landschaft Gott, Sora, prompted by ChatGPT
Ezechiel hört in Mitten einer toten Landschaft Gott, Sora, prompted by ChatGPT

Ein Tal voller toter Knochen. Kein Leben. Kein Puls. Kein Hoffnungsschimmer. Und dann stellt Gott diese fast ironische Frage: „Können die wieder leben?“ Ezechiel antwortet klug: „Du weißt es.“ – Was soll man auch sagen, wenn das Leben tot aussieht?

Aber dann geschieht es. Der Prophet spricht. Die Knochen bewegen sich. Es kommen Sehnen, Fleisch, Haut – und schließlich haucht Gott seinen Geist hinein. Und dann steht da: ein lebendiges Volk. Es ist nicht mehr das alte. Aber es ist wieder da. Neu gemacht. Von Gott selbst.

„Siehe, ich will eure Gräber auftun und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufbringen und euch ins Land Israel führen. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin.“
Hesekiel 37,12–13

Gott ist nicht fertig mit seinem Volk. Nicht mit Israel. Nicht mit Juda. Und auch nicht mit uns. Selbst wenn äußerlich alles verloren scheint. Auch wenn die geistliche Landschaft aussieht wie ein Friedhof. Gott hat nicht losgelassen. Er schafft Leben – da, wo Menschen nur Leere sehen.

Ein Mann mit Schriftrolle sitzt nachdenklich am Fluss, Sora, prompted by ChatGPT
Ein Mann mit Schriftrolle sitzt nachdenklich am Fluss, Sora, prompted by ChatGPT

Das Exil ist der Tiefpunkt. Aber nicht das Ende. Denn dort, im Exil, entstehen viele biblische Texte. Dort lernt das Volk, ohne Tempel auszukommen – und den Glauben ins Herz zu tragen. Dort wächst die Sehnsucht nach einem Retter. Dort beginnt eine neue Geschichte: nicht nur mit Israel, sondern mit allen Völkern.

Denn Gott hatte nie nur ein Volk im Blick. Schon bei Jesaja kündigte er an:

„Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, […] sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“
Jesaja 49,6

Gott geht mit seinem Volk durch die Tiefen. Und er macht es zum Licht. Selbst wenn alles tot scheint. Selbst wenn es nur noch Knochen gibt. Wenn Gott spricht, entsteht neues Leben. Auch heute noch.

Vielleicht kennst du das auch – einen Punkt im Leben, an dem alles sinnlos erscheint. Die Beziehung kaputt, der Glaube weg, das Herz müde. Dann höre genau hin: „Können diese Gebeine wieder lebendig werden?“ Du musst es nicht wissen. Aber du darfst sagen: „Herr, du weißt es.“ Und das reicht.

Auch wenn das Leben anstrengend ist, hilft Gotter immer, Sora, prompted by ChatGPT
Auch wenn das Leben anstrengend ist, hilft Gotter immer, Sora, prompted by ChatGPT

Gott macht aus Toten Lebendige. Aus Exil Hoffnung. Aus Gericht Zukunft. Aus Israel ein Zeichen für die Welt.

Gott, ich glaube kaum noch an Leben.

Ich sehe nur Knochen – trocken und alt.

Aber du fragst: Können sie leben?

Sprich du dein Wort. Hauche du deinen Geist.

Mach mich neu. Heute.

Amen!

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